Wien. Österreich ist bei den Ausgaben für das Gesundheitssystem im Spitzenfeld der OECD-Staaten, bei der Zufriedenheit der Menschen aber nur auf dem 12. Platz von 35 Staaten. Ob jemand zum Hausarzt oder gleich in die Ambulanz des Wiener AKH geht, bleibt jedem selbst überlassen. Zwischen diesen beiden Anbietern liegen aber Welten: Der Hausarzt ist für das System am billigsten, die AKH-Ambulanz am teuersten. Patientenanwalt Gerald Bachinger tritt daher für eine Steuerung beim Zugang zum Gesundheitssystem ein. Dabei gehe es nicht darum, wieder Ambulanzgebühren einzuführen, sondern den Menschen Hilfestellungen und Anreize zu bieten. "Das Dogma der freien Arztwahl muss weg", sagte Bachinger am Montag.

Für ein Anreizsystem beim Zugang zum Gesundheitssystem sprachen sich bei einem Hintergrundgespräch auch Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer, und Bernhard Rupp, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen der Arbeiterkammer Niederösterreich, aus.

75 bis 80 Prozent der Kosten im Gesundheitssystem werden von chronisch Kranken verursacht, nur knapp mehr als 20 Prozent von Akutpatienten. Bachinger schlägt daher vor, dass chronisch kranke Patienten dazu motiviert werden, sich für drei Jahre an eine Primärversorgungseinrichtung zu binden. Diese Einrichtung sorgt dann für den weiteren Behandlungsweg und ist "single point of contact".

Noch gibt es kaum Primary Health Care Zentren (PHC) in Österreich. Diese PHC könnten aber ein multiprofessionelles Angebot - Ärzte, Gesundheitsberufewie Physiotherapeuten, Pflegeexperten - bis hin zum Medikationsmanagement mit kurzen Wartezeiten bieten. Allerdings gibt es noch kein PHC-Gesetz, ein solches soll erst im Spätherbst vorliegen.

Eine Zugangshilfe im Gesundheitssystem soll auch ein telefon- und webbasiertes Erstberatungsservice (Teweb) bieten. Die Gesundheitsberatung am Telefon wird derzeit in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg getestet, österreichweit soll diese ab 2019 eingesetzt werden. Die Telefonhotline hilft Patienten, zur für sie richtigen Versorgungseinheit zu kommen. Im Hintergund soll auch ein Arzt beratend zur Stelle sein.

Zum Vorbild hat sich Vorarlberg das Schweizer System Medi24 (www.medi24.ch) genommen. Die Telefonhotline könnte auch von diplomierten Pflegekräften betreut werden, die ihren Beruf nicht mehr aktiv ausüben können, schlug Rupp vor.