Wien. (pech) "70 Prozent der Befragten fühlen sich mehr oder weniger stark belastet durch lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten, MRT-, CT-Untersuchungen und langes Warten auf Operationstermine." Das ist eine Aussage aus einer Ifes-Umfrage aus dem Jahr 2013. Die Wartezeiten für MRT- und CT-Untersuchungen liegen in Wien derzeit bereits bei 12 Wochen. Zuletzt schlug die Österreichische Krebshilfe Alarm, dass Patienten mit Tumorverdacht bei Röntgeninstituten lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssten. Manchesmal geht es schneller mit einem Termin, wenn man selbst bezahlt.

Hintergrund der jüngsten Auseinandersetzungen ist der 2013 abgeschlossene Vertrag zwischen Hauptverband der Sozialversicherungsträger und dem Fachverband für Gesundheitsberufe in der Wirtschaftskammer. Zwischen den beiden wurde ein "degressiver Tarif" vereinbart, das bedeutet, dass die Kasse weniger pro Untersuchung zahlt, je mehr Untersuchungen es gibt. Die Röntgeninstitute wiederum interpretieren das als Deckelung und erklären, dass ihre Leistungen ab einer bestimmten Zahl an MRT- oder CT-Untersuchungen nicht mehr bezahlt würden. Laut dem Radiologen Manfred Baldt (Diagnosezentrum Wolfsberg) erhalten die Institute für die erste Untersuchung 165 Euro, für die 6000. Untersuchung nur noch 136 Euro. Und es gebe für die Institute unterschiedliche Deckel. Hat also das Institut einen Deckel bei 6000 derartiger Untersuchungen, zahle die Krankenkasse ab der 6001. Untersuchung Null Euro.

Eine Million
Untersuchungen pro Jahr

In Österreich fallen pro Jahr rund eine Million MRT- und CT-Untersuchungen an. Die Wartezeiten haben mehrere Gründe: die Häufigkeit der Untersuchungen steigt pro Jahr um etwa 8 Prozent, Spitäler verlagern derartige Untersuchungen an private Institute, sprich sie sparen Personalkosten.

Der Streit zwischehn Hauptverband und Instituten zieht sich seit Jahren hin, schon mit dem Vertrag von 2013 sei klar gewesen, dass sich die Wartezeiten pro Jahr um zwei Wochen erhöhen werden, sagt Baldt. Das Ergebnis sehe man. Er verwies auch darauf, dass sich die Kassen durch den Rückgang bei Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen Geld spare - so seien die Mammografien seit 2013 um 18 Prozent zurückgegangen, was etwa 2 bis 4 Millionen einspare. Würde man das in diese Untersuchungen umleiten, gebe es auch keine Wartezeiten. Der Hauptverband müsse bereit sein, diese medizinische Entwicklung mitzutragen, sagt Baldt.

Eine Ampelregelung - also eine Dringlichkeitseinstufung nach Verdachtsdiagnose - könnte helfen, Tumorpatienten vorzunehmen. Allerdings ist das schwierig, weil nicht immer Verdachtsdiagnosen vorliegen und trotzdem eine Akutsituation da ist.

"Es ist völlig inakzeptabel, dass Menschen, die eine Verdachtsdiagnose auf Krebs oder eine sonstige lebensbedrohliche Erkrankung haben, wochenlang auf ein MR oder CT warten müssen, außer sie bezahlen", sagte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) dazu. Sie droht mit einer gesetzlichen Regelung, sollten die Vertragspartner zu keiner Lösung kommen. Anstatt des Gesamtvertrags kann sich die Ministerin Einzelverträge zwischen Hauptverband und Instituten vorstellen, die bereit seien, die Rückstände abzuarbeiten.