Wien. Wenn ich einmal reich wär’: "Ich würde als Erstes eine lange Reise machen, dann würde ich mir eine Wohnung kaufen. Und ganz viele Schuhe", sagt eine Kollegin auf die Frage, was sie mit einem Lotto-Sechser anstellen würde. Eine andere träumt von einem Bauernhof "mit Ponys und Kühen und allem Drum und Dran" und denkt
auch ans Schulden-Zurückzahlen. "Mein Geld anlegen, vielleicht in Immobilien. Einen großen Teil davon würde ich meiner Familie abgeben" und "Mich vermutlich selbständig machen", heißt es ein Zimmer weiter.

Ohne Hoffnungen zerstören zu wollen: Die Wahrscheinlichkeit, einen Lotto-Sechser zu machen, liegt bei weniger als eins zu acht Millionen. In den 30 Jahren seit der Gründung der Österreichischen Lotterien, eine Tochter der Casinos Austria, war es 925 Spielteilnehmern vergönnt, einen Gewinn in Euro-Millionenhöhe zu erzielen, davon 859 beim Lotto, 36 in der Klassenlotterie, 25 bei EuroMillionen und 5 beim Joker.

30,9 Milliarden Euro an Gewinnen wurden seit 1986 ausgezahlt. Der größte "Gewinner" sahnte kumuliert 10,6 Milliarden Euro ab - ohne jedoch jemals einen Lottoschein ausgefüllt oder gerubbelt zu haben. Es ist das Finanzministerium, das sich durchschnittlich über fast eine Million Euro täglich an Steuern und Abgaben freute. Mit 1,4 Milliarden Euro förderten die Lotterien, die laut Glücksspielgesetz jährlich mindestens drei Prozent für den Sport ausschütten müssen, die österreichischen Sportverbände.

Pro Sekunde 26,5 Tipps

Lotterien-Generaldirektor Karl Stoss und -Finanzvorständin Bettina Glatz-Kremsner warteten am Freitag am Firmensitz am Rennweg 44 im dritten Wiener Bezirk mit einer Unmenge an weiteren Facts rund um das Glücksspielunternehmen auf: So werden pro Jahr derzeit rund 840 Millionen Tipps gespielt und 67 Millionen Lose verkauft. Pro Sekunde sind das durchschnittlich 26,5 Tipps und 2,1 Rubbel- und Brieflose, die aufgerubbelt beziehungsweise aufgerissen werden. 55,6 Millionen Euro - der absolut höchste Gewinn in der österreichischen Glücksspielgeschichte - holte sich am 16. Mai 2008 ein Kärntner bei EuroMillionen. Rekordmäßige 9,6 Millionen Euro bekam ein Wiener am 12. August 2015 nach einem Fünffachjackpot im Lotto auf sein Konto.

Auch allerlei Kurioses gibt es rund ums Lottospiel zu erzählen, etwa von jenen Glückspilzen, die zwei Sechser in verschiedenen Runden oder in einer Runde tippten. Einmal tippten eine Spielteilnehmerin aus Kärnten und ihre Tochter in derselben Runde unabhängig voneinander jeweils einen Sechser mit Geburtstagszahlen. Und 2008 schaffte es gar ein geschiedenes Ehepaar aus Graz, den Lotto-Jackpot mit 1,9 Millionen Euro zu zweit zu knacken. Die beiden hatten die gemeinsamen Lieblingszahlen auch nach der Scheidung weitergespielt.

Glückliche Grazer

In jedem der 117 einzelnen Bezirke Österreichs gab es in den vergangenen drei Dekaden Gewinne. Besonders viel Glück wohnt in Graz, dem bevölkerungsreichsten Bezirk, mit bisher 99 Sechsern. Auf den Plätzen zwei und drei: die Stadt Linz mit 84 Sechsern und Wien-Favoriten.

In Österreich eingeführt wurde das Zahlenlotto im Jahr 1751 mit der Unterzeichnung des kaiserlichen Lottopatents durch Kaiserin Maria Theresia. Das Originalpatent, mit dem Maria Theresia dem Grafen Ottavio di Cataldi "das Privileg" zum Betrieb von Zahlenlotto übertrug, hatte der im Vorjahr verstorbene ehemalige Casinos- und Lotterien-Generaldirektor Leo Wallner vor zwei Jahrzehnten aus einer privaten Sammlung erworben und den Österreichischen Lotterien hinterlassen.

Das Dokument wurde am Freitag an die Direktorin der Oesterreichischen Nationalbank, Johanna Rachinger, übergeben. Es kann ab sofort von jedermann besichtigt werden.