Wien. "Ich bereue die Entscheidung überhaupt nicht, dass ich meine Brüste verkleinern habe lassen. Ich bin aber auch froh, dass ich es nicht schon früher gemacht habe", erklärte Kathrin Obermeier im Gespräch mit der Wiener Zeitung. Die 25-jährige Studentin aus Wien hat sich im April dieses Jahres ihre Brüste von einem G-Körbchen auf ein C- Körbchen verkleinern lassen. Die Entscheidung, die (vor allem männliche) Freunde und Familienmitglieder, aber auch Ärzte zunächst schockierte, war für die junge Frau dringend notwendig. War sie als Jugendliche noch von den Klassenkameraden für ihre Brüste bewundert worden, wurde mit zunehmendem Wachstum und der offensichtlichen "Andersartigkeit" der psychische Leidensdruck immer größer. Eine Operation war für die damals 16-Jährige aber keine Option. Letzten Endes legte sich die mittlerweile erwachsene Frau wegen unerträglicher Rückenschmerzen dennoch unters Messer.

Die junge Studentin ist kein Einzelfall. Immer häufiger sind Jugendliche unzufrieden mit ihrem Körper. Eine zu große Nase, zu kleine Brüste oder zu dicke Oberschenkel sind vielen ein Dorn im Auge. Eine Schönheitsoperation scheint - auch ohne medizinische Notwendigkeit - für die jungen Erwachsenen oft der einzige Ausweg zu sein. Die "Wiener Zeitung" hat nachgefragt, inwiefern ein Bundesgesetz aus dem Jahr 2013 dem Trend zum Schönheitswahn entgegenwirken kann. Mit dem Ergebnis, dass Jugendliche zwar noch immer unzufrieden mit ihrem Körper sind, sich aber bei weitem nicht alle operieren lassen würden.

In Österreich werden rund 40.000 ästhetische Operationen pro Jahr durchgeführt, davon etwa 86 Prozent an Frauen. Der Begriff "Schönheitsoperation" wäre an dieser Stelle nicht ganz korrekt, weil ein Großteil der ästhetischen Eingriffe medizinisch indiziert ist.

Obwohl in Österreich keine Statistiken vorliegen, wie viele Jugendliche sich tatsächlich der Schönheit wegen operieren lassen, wurde 2013 ein Gesetz eingeführt, das laut Aussage des damaligen Gesundheitsministers Alois Stöger den "Modeentwicklungen bei Minderjährigen" entgegenwirken sollte. Seither sind Schönheitsoperationen bei unter 16-Jährigen verboten, es sei denn, es liegt eine medizinische Indikation vor. Bis 18 dürfen etwaige ästhetische Eingriffe nur mit Einwilligung der Eltern durchgeführt werden. Das Bewerben entsprechender Eingriffe ist zudem untersagt und es ist klar definiert, wer zum Ausüben einer Schönheitsoperation befähigt ist und wer nicht.

Geldstrafe bis zu 15.000 Euro

Neu ist seit 2013 auch, dass unter 18-Jährige - selbst wenn die Eltern mit der Operation einverstanden sind - ein psychologisches Gutachten brauchen. Wer den Anordnungen oder Verboten zuwiderhandelt, begeht eine Straftat und muss mit einer Geldstrafe bis zu 15.000 Euro rechnen. Bisher gäbe es aber keine Evaluation, wie viele Vergehen diesbezüglich begangen worden sind, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Es würden aber stichprobenartig Zeitschriften, in denen ästhetische Operationen und Behandlungen angeboten werden, überprüft und gegebenenfalls auch Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Außerdem werde sämtlichen Meldungen an die Qualitätsstelle im Bundesministerium gemeinsam mit der Ärztekammer nachgegangen.

Eine Studie der Integral Markt- und Meinungsforschung und T-Factory Trendagentur hat jetzt ergeben, dass sich 20 Prozent der Österreicher zwischen 14 und 29 Jahren vorstellen können, sich der Schönheit wegen unters Messer zu legen. Wie viele es tatsächlich tun, weiß man nicht.

"Das, was wir sehen und von Studien wissen, ist, dass das Thema Aussehen bei Jugendlichen einen extrem hohen Stellenwert hat", erklärte Michaela Langer, Generalsekretärin des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP), der auch Mitglied der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit ist. Die Klinische und Gesundheitspsychologin verweist auf eine Umfrage in Australien, an der rund 5000 Jugendliche teilgenommen hätten: "Die Studie hat ergeben, dass die Sorge um das Aussehen an erster Stelle steht." Familie und Schule würden sich erst dahinter einreihen.

Vorwand Jugendschutz

Vor allem Mädchen hätten Probleme damit, sich in ihrem eigenen Körper wohlzufühlen. Aber auch Burschen würden ihr Äußeres immer häufiger beklagen. Zudem könne man auf "halbwegs verlässliche Zahlen" der amerikanischen Gesellschaft für plastische Chirurgie zurückgreifen, die seit 1992 Aufzeichnungen führe. "Österreich ist nicht Amerika. Es sind vielleicht fünf Fälle pro Jahr in Österreich, da geht es also um keine besondere Fallzahl. Jeder vernünftige plastische Chirurg hat vorher wie nachher solche Fälle abgelehnt", sagte Helmut Hoflehner, Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie an der Schwarzl Klinik bei Graz.

Für den ehemaligen Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC) waren Schönheisoperationen bei Jugendlichen immer ein Thema, das von der Regierung "besonders in den Vordergrund gespielt" wurde. "Es wurde immer gesagt, bei dem Gesetz geht es um den Schutz der Jugendlichen. Und alle plastischen Chirurgen haben darauf erwidert, dass ja sowieso nicht an Jugendlichen operiert wird", erläuterte Hoflehner. In den letzten zehn Jahren hätte es vielleicht einmal den Fall gegeben, dass ein Minderjähriger in die Klinik gekommen wäre und den Wunsch nach einer Schönheitsoperation geäußert hätte. "In so einem Fall klärt man dann die Jugendlichen auf und zögert das Ganze so weit hinaus, bis sie wirklich ausgewachsen sind", sagte Hoflehner.