Wien/Petronell-Carnuntum. Es sei der Weihnachtsfriede von Sinowatz gewesen, erzählt Bernd Lötsch, der ihm im Zusammenhang mit dem Nationalpark Donau-Auen am intensivsten in Erinnerung geblieben sei. Damals, am 21. Dezember 1984, zog Bundeskanzler Fred Sinowatz (SPÖ) im Konflikt um die Hainburger Au die Notbremse und verkündete einen vorläufigen Stopp der Rodungsarbeiten für das umstrittene Donaukraftwerk. Davor hatten prominente Umweltschützer bei einer "Pressekonferenz der Tiere" das Konrad-Lorenz-Volksbegehren gegen das Kraftwerk Hainburg eingeläutet -darunter der Biologe Lötsch, verkleidet als Purpurreiher, der später Generaldirektor des Naturhistorischen Museums werden sollte. 1985 untersagte der Verwaltungsgerichtshof den Baubeginn für das Kraftwerk, 1996 genehmigte der Nationalrat die Errichtung des Nationalparks Donau-Auen.

Heute, 20 Jahre später, ist dieser 9300 Hektar groß, umfasst mehr als 800 Arten höherer Pflanzen, mehr als 30 Säugetier- und 100 Brutvogelarten, Reptilien-, Amphibien und Fischarten - und soll um weitere 277 Hektar wachsen. Die Fläche zu erweitern ist im Staatsvertrag zur Errichtung und Erhaltung des Nationalparks Donau-Auen von 1996 verankert und fällt auch unter die Ziele der EU-Donauraumstrategie. Aktuell gibt es 65 Prozent Auwald, 15 Prozent Wiesen- und 20 Prozent Wasserflächen. Auentypische Lebensräume sollen erhalten werden, damit seltene Arten zurückkehren. So hat sich etwa der Seeadler als Brutvogel wieder angesiedelt. Vom Zuwachs an Totholz im Wald profitieren Insekten, Eulen, Fledermäuse und Wildbienen. Der Schlupferfolg der Europäischen Sumpfschildkröte wird aktiv gefördert.

Flächen in Petroneller Au und in Fischamend kommen dazu


In der Petroneller Au werden nun durch einen Vertragsabschluss mit dem privaten Grundbesitzer Abensperg-Traun 260 Hektar in das Schutzgebiet einbezogen. Zudem bringt die Stadt Wien in Fischamend 17 Hektar ein. Für weitere 140 Hektar wurde ein Kooperationsvertrag für eine forstliche Außernutzungsstellung vereinbart.

Diese Pläne präsentierten Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) -beide bereits bei der Nationalpark-Gründung in dieser Funktion tätig - und Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) am Donnerstag. Die Tatsache, dass die Republik Österreich und die Bundesländer Wien und Niederösterreich hier kooperieren müssen, hatte Geschäftsführer Carl Manzano anfangs misstrauisch gestimmt, sagte er am Donnerstag. "Eine Familie mit drei Eltern - ob das funktioniert?", habe er sich gefragt. "Und es hat in den 20 Jahren immer funktioniert." Das sei freilich auch notwendig, denn der Nationalpark werde nie erwachsen werden -und immer finanziell von seinen Eltern abhängig bleiben.