Wien. Seit November des Vorjahres breitet sich das Vogelgrippe-Virus vom Typ A(H5N8) immer weiter aus: In den vergangenen Monaten wurden europaweit insgesamt 398 Fälle bei Hausgeflügel und 351 Fälle bei Wildgeflügel behördlich festgestellt, heißt es von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). Insgesamt sind 18 Staaten in Europa betroffen. Eines gleich vorweg: Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem das A(H5N8)-Virus auf Menschen übertragen wurde.

Auch in Österreich hatte man bereits im November totes Wassergeflügel wie Reiher- und Tafelenten im Bodensee-Gebiet gefunden, danach gab es einen ersten Verdachtsfall bei Hausgeflügel in Vorarlberg. Es folgten eine tote Tafelente und mehrere tote Wildvögel in Salzburg und Oberösterreich. Seit vergangenem Wochenende steht fest, dass die Vogelgrippe auch die Steiermark erreicht hat: In der Nähe von Graz und in Graz selbst fand man insgesamt zehn tote Schwäne.

Stallpflicht für Geflügel

Der erste steirische Vogelgrippe-Fall wurde vergangenen Freitag von der Ages bestätigt: Fünf tote Schwäne waren in Kalsdorf südlich von Graz in der Mur gefunden worden, die laut Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) mit dem Aviäre Influenza Typ A(H5N8) infiziert waren. Am Sonntag fand man noch einen toten Schwan, am Montag bestätigte die Ages bei vier weiteren toten Schwänen direkt aus Graz das Vogelgrippe-Virus.

Die Fälle seien nicht überraschend, sagte Drexler, da zuletzt die Vogelgrippe bei Schwänen im benachbarten Maribor in Slowenien entdeckt worden war. Personen, die verendetes Wassergeflügel finden, sollen dieses jedenfalls nicht berühren. Dafür soll umgehend die Bezirkshauptmannschaft verständigt werden, damit eine Untersuchung veranlasst werden kann.

Der erste steirische Fall bekräftige die Notwendigkeit der am Dienstag in der Vorwoche verhängten, bundesweiten Stallpflicht für Geflügel, so Drexler. Da es sich um eine hochansteckende Tierseuche handelt, wird laut Gesundheitsministerium das Bundesgebiet gemäß Geflügelpestverordnung als Gebiet mit erhöhtem Geflügelpestrisiko ausgewiesen. Das bedeutet, dass zum Schutz der Bestände Biosicherheitsmaßnahmen zu treffen sind.

Diese sehen vor, dass Geflügel in geschlossenen Haltungseinrichtungen, die zumindest nach oben hin abgedeckt sind, einzusperren sind. Die Tränkung der Tiere darf nicht mit Wasser aus Sammelbecken für Oberflächenwasser erfolgen und die Reinigung und Desinfektion von Beförderungsmitteln, Ladeplätzen und Gerätschaften muss mit besonderer Sorgfalt gemacht werden. Die Tierhalter haben vermehrtes Augenmerk auf die Gesundheit der Bestände zu legen und allfällige Veränderungen wie etwa einen Rückgang der Legeleistung, Abfall der Futter- und Wasseraufnahme oder erhöhte Sterblichkeit umgehend dem betreuenden Tierarzt und der Behörde zu melden.