Denkbar wäre zum Beispiel auch eine Art Landkarte, eine Flächenmanagement-Datenbank, wie es sie in Bayern gebe, die ungenutzte Immobilien und Brachflächen aufzeige. Vier Pilotgemeinden in Niederösterreich, darunter Gerasdorf und Markersdorf, verwendeten diese bereits. In der Schweiz seien wiederum Fruchtfolgeflächen geschützt.

Zentraler Punkt sei jedoch, so die Studienautoren, die Revitalisierung von Brachflächen öffentlich zu fördern. Dass das in die Zuständigkeit mehrerer Ressorts falle und dadurch nicht so einfach wäre, sei ihnen bewusst - die volkswirtschaftlichen Effekte wären jedoch enorm, sagten sie. In der Studie gingen sie von einer Fördersumme von einer Milliarde Euro auf zehn Jahre, also 100 Millionen Euro jährlich, aus. Damit sollen Mehrkosten, die durch Revitalisierung statt des billigeren Neubaus auf grüner Wiese entstehen, zur Hälfte gefördert werden.

Bei voller Ausschöpfung der Förderquote ergäbe sich eine Wertschöpfung von 2,14 Milliarden Euro, so Studienautor Schnabl, und es entstünden 24.000 Vollzeitjahresarbeitsplätze. An Steuern und Abgaben würden 680 Millionen Euro an die öffentliche Hand zurückfließen, also zwei Drittel des Zuschusses.

Länder zuständig


Das Umweltministerium, das übrigens auf eine Versiegelung von 16 Hektar pro Tag komme, will sich zu dieser Summe noch nicht äußern, heißt es auf Nachfrage. Bereits jetzt stelle es 55 Millionen Euro pro Jahr für die Altlastensanierung zur Verfügung, mit denen je nach Bedarf auch die Sanierung kontaminierter, brach liegender Flächen finanziert werde. Grundsätzlich falle das Thema Raumordnung jedoch in den Bereich von Ländern und Gemeinden. Was den Straßenbau betrifft, so setze Verkehrsminister Jörg Leichtfried ohnehin auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, wie es heißt. Bei den Bauprojekten werde stets auf die Auswirkungen auf die Raumstruktur geachtet, Baustellen würden nach Fertigstellung begrünt und revitalisiert.

Es sei aber auch der hohe Anspruch vieler Österreicher an ihre eigene Wohnsituation, der die Verbauung vorantreibe, ergänzt Regionalforscher Martin Heintel von der Uni Wien. "Wer auf dem Land baut, möchte ein Haus mit Garten." Andere horteten wiederum Brachland als Vermögensanlage, auf das die Gemeinde nicht zugreifen könne.

Die vom Zuzug betroffenen Städte und umliegenden Gemeinden profitieren freilich. Sie waren es ja auch, die zuvor die potenziellen Bewohner und Steuerzahler mit Grundstücken, Infrastruktur und Einkaufszentren angelockt hatten. Hier wird Österreich offenbar seine Kleinteiligkeit zum Verhängnis. Das Land zerfällt in rund 2300 Gemeinden, die alle ihr eigenes Straßennetz, ihre Kleinsiedlungen und Gewerbeparks errichten. Was es daher bräuchte, so Heintel, sei eine überschreitende Raumplanung.