Wien Das Palais Strozzi in der Josefstädter Straße 39, in dem heute das Institut für Höhere Studien (IHS) beheimatet ist, stand jahrelang leer. Nachdem das Finanzamt ausgezogen war, fand sich kein Nachnutzer. Das IHS, das 2015 einen neuen Standort suchte, hätte diesen auf die grüne Wiese bauen können - stattdessen zog es in das leer stehende Palais Strozzi ein.

Diese Art des Brachflächenrecyclings kam einem am Mittwoch als Paradebeispiel in den Sinn, als das IHS zur Präsentation der Studie über Maßnahmen zur Eindämmung des Bodenverbrauchs ins Palais Strozzi einlud. Das IHS hatte diese gemeinsam mit dem Kärntner Institut für Höhere Studien (KIHS) im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung durchgeführt. In keinem anderen Land Europas wird demnach so viel fruchtbarer Boden verbaut wie in Österreich. Ohne Förderungen durch die öffentliche Hand werde eine Revitalisierung der Brachflächen aber nicht durchführbar sein, hieß es von den Studienautoren.

Aktuell ist es so, dass Österreich um ein Vielfaches vom Zielwert beim Bodenverbrauch entfernt ist, den die Regierung vor mehr als zehn Jahren in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verankerte. Dieser liegt bei 2,5 Hektar pro Tag. Statistisch gesehen wird aber jeden Tag eine Fläche von 20 Hektar zubetoniert, also versiegelt. Das entspricht etwa 30 Fußballfeldern oder einem durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betrieb. Bei gleichbleibendem Bodenverbrauch würde es in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr geben, sagte Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Hagelversicherung. Zubetonierte Flächen könnten zudem kein Wasser und kein Kohlendioxid speichern, was Überschwemmungen respektive Dürre zur Folge habe.

50.000 Hektar ungenützt


Österreich halte aber nicht nur in dieser Hinsicht einen Rekord, so Weinberger, auch die Zahl der leer stehenden Industrie- und Gewerbeflächen sowie Wohnimmobilien sei rekordverdächtig. Schätzungen des Umweltbundesamtes zufolge sind 50.000 Hektar Fläche ungenützt. Zum Vergleich: Wien ist rund 40.000 Hektar groß.

Um diese beiden Rekorde gewissermaßen gegeneinander auszuspielen, ist den Studienautoren Beate Friedl vom KIHS und Alexander Schnabl vom IHS zufolge ein Bündel an Maßnahmen notwendig. Obergrenzen für den Verbrauch an Flächen sollten verbindlich festgelegt und eine kommunale Nachweispflicht eingeführt werden.