Wien. (temp) Dass es im April schneit, ist ja grundsätzlich nichts Außergewöhnliches. Dass es so viel schneit, allerdings schon. Speziell im Mariazeller Land, in den Niederösterreichischen Voralpen sowie in der nordöstlichen Steiermark haben die Schneefälle laut dem privaten Wetterdienst Ubimet Rekordausmaße erreicht. In Mariazell liegen 92 und in Lunz am See 86 Zentimeter Schnee, so viel wie noch nie im April und mehr als im gesamten vergangenen Winter.

Auf dem Hochkar türmen sich die Neuschneemengen mittlerweile auf bis zu 150 Zentimeter. Auch im Wienerwald fielen beträchtliche Mengen. Lokal seien es mehr als 30 Zentimeter gewesen, so Ubimet. In Niederösterreich und im Burgenland waren wegen des Schneefalls tausende Haushalte ohne Strom.

Neuschnee in diesen Mengen gibt es hier laut Ubimet alle 100 Jahre. Doch nicht nur die Schneefälle, auch die Temperaturen werden wohl in die Wettergeschichte eingehen. Der 19. April war nämlich in Teilen Ostösterreichs, etwa in Wien, der kälteste Tag, den es in der zweiten Aprilhälfte je gab.

In den westlichen Regionen waren die Schneehöhen indes deutlich von den Rekorden entfernt. In Schröcken in Vorarlberg zum Beispiel wurden am Donnerstag 46 Zentimeter Schnee gemessen. Die höchste Schneehöhe in der zweiten Aprilhälfte waren hier 270 Zentimeter am 15. April 1970, der Aprilrekord liegt bei 288 Zentimeter am 3. April 1944.

Es wird ungewöhnlich kalt - aber dennoch sonnig

Aktuell geht die Lawinengefahr in den Tiroler Tourengebieten nur langsam zurück. Am Donnerstag wurde sie von den Experten des Landes gebietsweise wie schon am Mittwoch immer noch als erheblich, also mit Stufe 3 der fünfteiligen Skala, eingestuft. In Vorarlberg wurde sie von Stufe 4 auf Stufe 3 herabgesetzt.

Im Lauf des Donnerstags klang der Schneefall ab, in der Nacht auf Freitag klarte der Himmel auf. Somit wird es nun ungewöhnlich kalt, der Freitag beginnt mit Temperaturen zwischen minus sieben und null Grad. In schneebedeckten Tälern, besonders in der Westhälfte Österreichs, sind sogar Frühtemperaturen um minus zehn Grad zu erwarten.

Der Tag bringt dennoch viel Sonnenschein, am Nachmittag liegen die Temperaturen zwischen sieben und 15 Grad. Am Wochenende wechseln Sonne und Wolken, und stellenweise ziehen Regen- oder Schneeschauer durch, vor allem an der Nordseite der Alpen. Die Schneefallgrenze liegt zwischen 800 und 1200 Meter.

Minister Leichtfried für längere Winterreifenpflicht

Die Außenringautobahn (A21), die am Mittwoch in beiden Fahrtrichtungen gesperrt worden war, ist seit Donnerstag wieder befahrbar. Auch die Behinderungen auf der Westautobahn (A1) sind beendet.

Da es hier vor allem die Lkw waren, die aufgrund ihrer Sommerreifen hängen geblieben waren, plädierte Verkehrsminister Jörg Leichtfried am Donnerstag im Ö1-"Mittagsjournal" dafür, die Winterreifepflicht für Lkw über 3,5 Tonnen um einen Monat bis 15. Mai zu verlängern. Für Lkw über 3,5 Tonnen ist die Winterreifenpflicht unabhängig vom Wetter vorgeschrieben. Sie müssen ab 1. November bis 15. April zumindest auf den Antriebsrädern mit Winterreifen ausgestattet sein.