In etwa der Hälfte dieser Fälle waren Kinder betroffen, sagte Wolf. Insgesamt erlebte dem Jahresbericht 2015 des Bundesverbands zufolge jedes vierte Kind in Österreich eine Form von Gewalt. Sieben bis zehn Prozent aller Kinder wurden sexuell missbraucht. Die Dunkelziffer sei allerdings mindestens viel höher.

Aktuell sind 12.000 von Gewalt betroffene Kinder in Betreuung der rund 30 Kinderschutzzentren in Österreich, von denen das erste vor 30 Jahren entstand. Die Hälfte bis zu drei Viertel der Kinder sind laut Wölfl zwischen acht und zwölf Jahre alt. Dass sich Gewalt auf diese Altersklassen konzentriert, heiße das jedoch nicht.

Obwohl es noch immer deutlichen Aufholbedarf bei der Berücksichtigung der Kinder bei Gewalt gebe, habe sich die Gewalt selbst in den 20 Jahren Gewaltschutzgesetz schon geändert, sagte Wölfl. Diese sei in allen Bereichen bis auf die psychische Gewalt bei Mädchen aber schon gesunken, sagte Wölfl. Das Bewusstsein für Gewalt habe sich deutlich verändert - und auch die Erziehungsmethoden. "Früher wurden Kinder aus Überzeugung geschlagen - heute aus Überforderung", so Wölfl.

Österreich war mit dem Gewaltschutzgesetz Vorreiter. Es war eigentlich eine Novelle, mit der unter anderem das Strafgesetzbuch geändert wurde, trat am 1. Mai 1997 in Kraft und bezweckte den Schutz einer Person vor allen Formen von Gewalt im häuslichen Umfeld. Seitdem können Personen, von denen eine Gewaltgefährdung ausgeht, polizeilich der Wohnung verwiesen werden, während das Opfer bleibt.

Österreich hat Vorreiterrolle


Mit der Novelle des Gewaltschutzgesetzes, die 2010 in Kraft trat, wurde der Schutz für Opfer verbessert. Die Verjährungsfristen bei sexueller Gewalt zum Beispiel beginnen seitdem erst nach dem 28. Geburtstag, sofern das Opfer minderjährig war. Diese spielen vermutlich auch bei dem aktuellen Beschluss des Nationalrats von Mittwoch auf Initiative von Nationalratspräsidentin Doris Bures eine Rolle: Misshandelte Heimkinder erhalten ab Juli eine monatliche Rentenleistung von 300 Euro.

Die Frist für die Wegweisungen wurde kontinuierlich verlängert: Waren es 1997 noch zehn Tage, so kann sich das Betretungsverbot aktuell auf drei Wochen erstrecken. Weitere Länder folgten dem Beispiel Österreichs, in Deutschland etwa trat 2002 ein Bundesgesetz mit ähnlichem Inhalt in Kraft.

Doch zurück nach Österreich, zurück zu der Mutter, die vom Vater geschlagen wird, und deren Kind nichts bemerkt haben soll. "Rückblickend haben viele der befragten Mütter gesagt, dass sie es falsch eingeschätzt haben", sagte Wolf. Die Folgen sehe man noch Jahre später.