Wien. Im Fachjargon heißt es: soziale Beschleunigung. In der Praxis ist damit das Lebensgefühl gemeint, immer schneller immer mehr leisten zu müssen - und dabei mit permanenten Veränderungen konfrontiert zu sein. Wer hier nicht mehr mit kann, ist Burnout -gefährdet.

Fast jeder dritte Beschäftigte in Österreich kennt Krankenstand-Fälle von Burnout im eigenen Betrieb und ebenfalls jeder Dritte sieht sich zumindest leicht Burnout-gefährdet, zeigt eine aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Für viele Beschäftigte werde es zunehmend schwierig, die steigenden Anforderungen im Beruf mit dem Bedürfnis nach einem erfüllten Privat- und Familienleben in Einklang zu bringen und den eigenen hohen Ansprüchen an die Qualität der Arbeit gerecht zu werden, hieß es am Montag vor Journalisten. Um Burnout zu verhindern, reiche es nicht, die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zu erheben, sagte Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. Die Arbeitgeber müssten die Ergebnisse der Evaluierung ernst nehmen und wirksame Maßnahmen gegen krankmachende Arbeitsbedingungen umsetzen.

Lerndruck, Arbeitsdichte
und Autonomie nehmen zu


Für den Arbeitsklima-Index wurde auch das Thema psychischer Stress beleuchtet. Ein knappes Viertel der Beschäftigten fühlt sich demnach durch Zeitdruck belastet, etwa ein Sechstel durch ständigen Arbeitsdruck. Jeweils rund ein Zehntel aller Beschäftigten empfindet technische oder organisatorische Änderungen sowie wechselnde Arbeitsabläufe als stressig.

Das Thema gewinnt offenbar an Brisanz. Mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF haben nun auch Arbeitspsychologen um den Psychologen Christian Korunka von der Universität Wien diesen Trend der Beschleunigung und die Anforderungen, die daraus erwachsen, in einem fünfjährigen Projekt analysiert. Die Ergebnisse sind soeben in dem Band "Job Demands in a Changing World of Work" erschienen.

Die Wissenschafter hatten für ihre Arbeit mehr als 2000 Beschäftigte im Dienstleistungsbereich (Verwaltung, Gesundheit und IT) in einem Abstand von jeweils eineinhalb Jahren befragt und kamen auf drei Anforderungen, mit denen Betroffene vor allem konfrontiert sind: seine Kompetenzen ständig weiterzuentwickeln, mit einer höheren Arbeitsdichte umzugehen und mehr Planungs- und Entscheidungsaufgaben zu erhalten.

Letzteres kann laut Befragten zwar auch als positiv gewertet werden, weil es mehr Autonomie mit sich bringt, "in der entgrenzten Arbeitswelt zeigt sich jedoch, dass es auch zuviel davon geben kann", sagt dazu Korunka. Wie auch bei der zunehmenden Arbeitsdichte und den Lernanforderungen sei Erschöpfung die Folge.