Wien. Reisen, edle Kleidung kaufen, in ein großes Haus umziehen, täglich essen gehen, nie mehr selber putzen, Schulden zurückzahlen. All das könnte man machen, wenn man in der Lotterie gewinnt. Davon träumen vermutlich auch die meisten, die Lotto spielen. Für viele bleibt es allerdings beim Träumen - sogar dann, wenn sie gewinnen. Gewinne von insgesamt sieben Millionen Euro jährlich werden nämlich gar nicht abgeholt, sagt Günter Engelhart von den Österreichischen Lotterien zur "Wiener Zeitung". Das entspreche etwa einer Million Gewinne. "In Kombination mit der Jahressumme ist das im Durchschnitt jeder achte Dreier, der nicht behoben wird."

Die hohen, wirklich hohen Gewinne blieben freilich seltener liegen, so Engelhart weiter. Meistens seien es kleinere Summen wie Dreier oder Vierer beim Lotto oder geringere Beträge bei Euromillionen und Joker, die nicht den Weg zu ihrem Besitzer finden. Selbst ein Fünfer auf dem Lottoschein werde mitunter übersehen, der fast immer mehr als 1000 Euro wert ist. Allein "die großen, spektakulären Gewinne wie Lotto-Sechser beziehungsweise die hohen EuroMillionen-Gewinne wurden bisher immer abgeholt", stellt Engelhart fest. Der Rekordhalter bei "6 aus 45" ist ein Spieler, der im August 2015 mit seinem Solosechser den zehnten Fünffach-Jackpot der Geschichte knackte und 9.643.151,70 Euro gewann.

Anspruch verfällt
nach drei Jahren

Hätte er seine Quittung verlegt, wäre das wohl schrecklich für ihn gewesen. Bei den kleineren Gewinnen ist das laut Engelhart oft eine der Ursachen, dass diese liegenbleiben. Manche vergessen auch einfach, die Gewinnzahlen nachzuschauen, andere hoffen so sehr auf den Millionengewinn, dass sie alles andere übersehen. Manchmal ist es schlichtweg zu spät: Nach drei Jahren verfällt der Anspruch auf einen Gewinn bei den Österreichischen Lotterien. Früher hatte man sein Glück noch früher verspielt: Bis 2009 betrug diese Frist nur sechs Monate.

Auf anderem Weg finden die liegengebliebenen Gewinne aber doch noch zu den Spielern. Denn sämtliche nicht abgeholten Summen werden laut Engelhart zur Gänze wieder für Preise verwendet. Sachpreise wie etwa Karibik-Reisen oder Geldpreise wie dreimal 50.000 Euro zusätzlich bei ToiToiToi seien möglich. Die zweckmäßige Verwendung der Mittel aus dem Topf der nicht behobenen Gewinne werde jährlich von Wirtschaftsprüfern geprüft.