Wien. (temp) Dürreschäden von bereits 100 Millionen Euro in der ersten Jahreshälfte 2017, Ernteausfälle bei Getreide und vielleicht auch Mais und Soja: Die anhaltende Dürre der vergangenen Wochen kommt laut österreichischer Hagelversicherung fast schon dem "Dürrejahr" 2015 gleich, als die Gesamtschäden bei 175 Millionen Euro lagen. Und das liegt wie gesagt erst zwei Jahre zurück.

"Extremereignisse wie Dürre, aber auch Hagel oder Spätfrost, bei denen man früher von Jahrhundertereignissen sprach, kommen in immer kürzeren Abständen", sagt dazu Matthias Biricz von der Hagelversicherung. Das Wetter verändere sich, der Klimawandel sei nicht von der Hand zu weisen.

Globalen Klimaprognosen zufolge werden die Niederschlagsmengen weiter abnehmen und Temperaturen und Verdunstung zunehmen. Bereits jetzt ist es in Österreich um fast zwei Grad Celsius wärmer als im Jahr 1880. Die Vegetationszeiten verlängern sich in den Frühling und in den Herbst hinein. Wären die Niederschlagsmengen ausreichend, wäre das freilich positiv für die Landwirtschaft. Sie sind es aber nicht. Durch die längeren Vegetationszeiten erhöht sich nur noch der Bedarf an Wasser, von dem es zu wenig gibt.

Osten und Südosten von der Dürre betroffen

Regnet es während einer Dürreperiode einmal in größeren Mengen, schafft das laut Nikolas Zimmermann vom privaten Wetterdienst Ubimet wenig Abhilfe. Denn im Juni und Juli ist der Sonnenstand und damit die Energie, die von der Sonne ausgeht, besonders hoch - und das Regenwasser verdunstet. Um eine Dürreperiode zu beenden, müsste es regelmäßig regnen.

Aktuell von der Problematik besonders betroffen seien der Osten und der Südosten Österreichs, sagt Biricz von der Hagelversicherung. Beginnend in Oberösterreich ziehe die Dürre eine Spur trockener Landstriche über das Wald- und Weinviertel in Niederösterreich sowie das Burgenland bis in die Steiermark. In Kärnten seien vor allem der Osten und der Süden von der Trockenheit gezeichnet.

Das fordert die Versicherungen, sollen doch die Prämien trotz zunehmender Unwetterschäden gleich bleiben. Bei der Uniqa, der Wiener Städtischen, der Generali und der Hagelversicherung plane man jedenfalls keine Erhöhung, heißt es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". In Österreich seien aktuell rund 85 Prozent der Ackerflächen gegen Hagel und 60 Prozent gegen Dürre und weitere Risiken versichert, so die Hagelversicherung.

Statt der Prämien soll vielmehr die Zahl der Beitragszahler erhöht werden. Zumindest in der Landwirtschaft übernimmt dafür seit Ende Juni des Vorjahres der Staat einen Teil der Prämien, als das Public-Private-Partnership-Modell in Kraft trat. Vor Juni gab es bereits vereinzelt Zuschüsse, zum Beispiel bei Versicherungen gegen Hagelschäden im Weinbau. Dürreschäden waren wiederum nicht versichert.

Im Rahmen des Public-Private-Partnership-Modells schießen nun Bund und Länder je 25 Prozent zu all jenen Versicherungsprämien zu, die sämtliche landwirtschaftliche Kulturen betreffen. Im Vorjahr seien rund 22,8 Millionen Euro an Bundesmitteln (sowie an Landesmitteln in gleicher Höhe) für die Bezuschussung der Versicherungsprämien der Hagelversicherung bereitgestellt worden, heißt es auf Nachfrage aus dem Landwirtschaftsministerium.

Das Geld für die Prämienzuschüsse komme vonseiten des Bundesbudgets aus dem Katastrophenfonds - um diesen auf lange Sicht zu entlasten. Denn ein höherer Durchversicherungsgrad in der Landwirtschaft soll dem Fonds in der Zukunft weniger wetterbedingte Schadensmeldungen bringen.

Das Public-Private-Partnership-Modell ist in anderen Ländern schon Usus. In den USA zum Beispiel schießt der Staat 65 Prozent der Versicherungsprämie zu, in China sind es 80 Prozent. Die USA und Kanada versichern neben den Risiken durch Naturkatastrophen auch Preisschwankungen.

Bewässerung bei Getreidekulturen unrentabel

Durch eine zusätzliche Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Felder in Österreich könnten die Versicherungen ihre Prämien vielleicht sogar senken. Rund um den Marchfeldkanal zum Beispiel, der Wasser aus der Donau ins Marchfeld bringt, wo damit eine Fläche von jährlich bis zu 28.000 Hektar bewässert werden kann, gibt es laut Biricz weniger Probleme mit Dürreschäden. Getreidekulturen, bei denen eine Bewässerung meist unrentabel ist, wiesen aber auch in diesem Gebiet Schäden durch die Trockenheit auf.