In der Wachau kommt dafür eine Tröpfchenbewässerung zum Einsatz, die über das Uferfiltrat der Donau gespeist wird - also aus dem von Donauwasser durchflossenen Uferbereich entnommen wird. Dass das Wasser filtriert und frei von Schwebkörpern durch die Rohre fließt, ist in diesem Fall wichtig, weil sonst die kleinen Tropfdüsen verstopfen würden. Diese Tröpfchenbewässerung basiert nämlich auf dem Prinzip, dass an Schläuchen in regelmäßigen Abständen Auslässe angebracht sind, über die geringe Wassermengen tröpfchenweise abgegeben werden.

Auch im Tullnerfeld, um Neunkirchen oder im Eferdinger Becken in Oberösterreich wird bewässert. Regionale, kleinräumige Bewässerungssysteme gibt es in Österreich mehrere. Die Landwirte greifen fast immer auf Beregner oder die Tröpfchenbewässerung zurück. Weltweit gibt es freilich eine breite Palette an Bewässerungsverfahren wie Unterflurbewässerung mithilfe von Grundwasser oder Flächenstaubewässerung beim Reisanbau.

"Bund und Land sind gefragt"

Ob die Tröpfchenbewässerung auch für das Vorhaben Weinviertel und südliches Wiener Becken in Frage kommt und welche weiteren Möglichkeiten man nutzen könnte, werde noch erarbeitet, sagt Neudorfer. Tatsache sei jedoch, dass sich vermutlich die Landwirte für eine überörtliche Versorgung mit den Bewässerungsanlagen zu einer Genossenschaft oder einem Verband zusammenschließen müssten. Aufgrund der um vieles größeren betroffenen Region sei in diesem Fall das Modell des Marchfeldkanals wohl nicht funktionell, bei dem die einzelnen Landwirte einen Brunnen schlagen, eine Bewilligung für die Anlage einholen und diese selbst errichten.

Bleibt noch die vermutlich wichtigste, allerdings unbeantwortete Frage: Wer soll das Vorhaben finanzieren? Das sei ebenfalls eine spannende Frage, sagt Kammerdirektor Raab. Das Vorhaben (250.000 Hektar, die sich für eine Bewässerung eignen) wäre wie gesagt um mehr als das Dreifache größer als das Bewässerungssystem des Marchfeldes (70.000 Hektar). Die Errichtungskosten von Letzterem von umgerechnet 198 Millionen Euro würde man dadurch wohl auch um einiges übersteigen, sagt Raab. Konkrete Kostenrechnungen müssten aber erst erarbeitet werden. "Bund und Land müssten dabei wesentliche Anstrengungen unternehmen", sagt Raab bezüglich der Finanzierung. Tun sie es nicht, würde in naher Zukunft die Wertschöpfung der Region aufgrund der voranschreitenden Dürre jedenfalls massiv eingeschränkt werden.

Positive Signale

Vom Land Niederösterreich kommen positive Signale. Man sei in die Machbarkeitsstudie involviert, heißt es aus dem Büro von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Die Kostenerstellung sei zwar nicht weit genug gediehen, um konkrete Zahlen zu nennen, die Frage der Bewässerung der betroffenen Regionen sei aber eine absolut wichtige.

Das Landwirtschaftsministerium sei in die Machbarkeitsstudie nicht eingebunden, heißt es auf Nachfrage. Daher könne man sich zu dem Vorhaben noch nicht äußern. Projekte zur Bewässerungsinfrastruktur könnten aber grundsätzlich über das Programm Ländliche Entwicklung gefördert werden. Bei der Errichtung des Marchfeldkanals hatte der Bund 45 Prozent der Kosten direkt zugeschossen und das Land Niederösterreich 10. Zudem kamen 15 Prozent aus dem Katastrophenfonds des Bundes und 30 Prozent aus dem Umwelt- und Wasserwirtschaftsfonds, der von Bund und Land gespeist wird.

Eine Beteiligung am Vorhaben Weinviertel und südliches Wiener Becken wäre auf jeden Fall eine Win-win-Situation, sagt Schultes: "Mit einer gesicherten Wasserversorgung erhält die gesamte Region eine mitteleuropäische Sonderstellung, wovon Wirtschaft, Landwirtschaft und Arbeitsmarkt gleichermaßen profitieren würden. Ohne Wasser hingegen drohen Trocken- und Klimaverhältnisse wie in Ostanatolien."