Linz. Der am 30. Juni an einem Ehepaar in Linz begangenen Doppelmord habe einen IS-Hintergrund. Das sagte Innenminister Wolfgang Sobotka am Mittwochabend bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Wien. Ermittler hatten elektronische Datenträger und soziale Netzwerke ausgewertet, in denen der 54-jährige Tatverdächtige aktiv war.

"Für uns gilt es, in dieser besonderen Situation, die Ermittlungen mit großer Bedachtnahme fortzusetzen", warb der Innenminister um Verständnis, dass keine Details bekanntgeben werden. Man habe sich entschlossen, mit der Pressekonferenz an die Öffentlichkeit zu treten, um keine Spekulationen aufkommen zu lassen, nachdem am Nachmittag die Informationen vom IS-Hintergrund übermittelt wurden.

Ermittlungen haben Vorrang

Man werde auch weiterhin über den Fall laufend informieren, doch die Ermittlungen hätten Vorrang und würden mit größter Ernsthaftigkeit und Konzentration geführt. Diese wolle man nicht behindern, sagte Wolfgang Sobotka.

Die eigentliche Tat sei eindeutig geklärt und alle diesbezüglichen Spuren ausgewertet. Der 54-Jährige hätte das Ehepaar alleine getötet, sagte Andreas Pilsl, der Landespolizeidirektor von Oberösterreich. Dabei seien keine Komplizen beteiligt gewesen. Der Hintergrund werde jedoch intensiv untersucht.

Der Tunesier wollte nach derzeitigen Erkenntnissen nie als Kämpfer nach Syrien, sagte der Innenminister. Laut Pilsl wäre er vor kurzem in seine Heimat gereist, um sich dort mit dem mitgenommenen Werkzeug ein zweites Standbein in seinem erlernten Beruf als Tischler aufzubauen. Ob der Verdächtige bereits mit den Vorwürfen eines islamistischen Hintergrunds konfrontiert wurde und wie er sich dazu geäußert habe, wollte Sobotka nicht bekanntgeben.

Täter lebte lange in Österreich

Dem Tötungsdelikt waren am Freitag vergangener Woche eine 85 Jahre alte Frau und ihr 87-jähriger Mann zum Opfer gefallen. Sie wurden nach ihrem gewaltsamen Tod in ihrem brennenden Wohnhaus entdeckt. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen gebürtigen Tunesier, der schon lange Zeit in Österreich lebte.

Der Mann hat sich nach der Tat gestellt und befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Nach Angaben von Innenminister Wolfgang Sobotka handelt es sich bei ihm um einen radikalisierten Moslem. Details zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen nannte der Ressortchef nicht. Man wolle weitere Ermittlungen zu einem allfälligen Netzwerk nicht behindern.