Wien. Nach dem Doppelmord an einem Linzer Ehepaar und dem Bekanntwerden des IS-Hintergrunds des Täters warnen die Sicherheitsbehörden vor voreiligen Schlüssen über das Tatmotiv. Es gibt mehrere Gründe, warum Behörden und Politik sich davor scheuen, von einem ersten Anschlag der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Österreich zu sprechen.

Ein terroristischer Akt bestehe bereits dann, wenn der Täter Kontakt zu einer Terrororganisation habe, was im Falle des Linzer Doppelmordes gegeben sei, sagt Nicolas Stockhammer, Terrorismusforscher an der Universität Wien. Dafür brauche es kein Bekennerschreiben und keine Inanspruchnahme der Tat durch den IS, beides gibt es im Linzer Doppelmord bisher nicht. Dennoch: "Strukturell war das eine Gewalttat mit terroristischem Anstrich." Die Amokfahrt in Graz im Juni 2015 war für ihn ebenfalls ein Terrorakt, auch wenn es die Politik nicht so sehen will. Solche Täter hätten entweder Kontakt zu einer Terrororganisation oder agieren aus sich heraus, sagt Stockhammer.

Keine Vorgeschichte

Er bezeichnet Letzteres als eine Sonderform, als Gelegenheitsterror oder Lumpen-Terrorismus. "Die Täter sind unerfahren, haben keine Vorgeschichte, sind nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten und gehen dilettantisch vor", sagt Stockhammer. In den vergangenen drei Jahren habe es immer mehr Fälle von "Home-grown-Terrorismus" gegeben, die Täter seien dort aufgewachsen, wo auch die Anschläge ausgeführt wurden.

Die Tat von Linz könnte weitreichendere Folgen haben. "Vielleicht war das leider in Österreich der Anlassfall oder Auftakt für Trittbrettfahrer oder jene im Untergrund, die nun ihren Glauben in die Tat umsetzen wollen", sagt Stockhammer. In anderen Ländern habe es ähnlich begonnen, etwa mit dem Axt-Attentäter in Deutschland oder den Polizisten-Morden in Frankreich. "Das fällt in diese Kategorie", sagt Stockhammer.

Nun gehe es darum, sich Gedanken über die Kompetenzen der Exekutive zu machen. Wenn diese mehr Zugriffsrechte auf Messenger-Dienste wie WhatsApp, Skype oder Telegram - über die die Attentäter häufig im Vorfeld von Anschlägen kommunizieren - erhalten würde, wäre das in Ordnung, sofern ein begründeter Verdacht bestehe und die Grundrechte eingehalten würden. "Ich bin aber kein Verfechter von all dem, was sich die Sicherheitsbehörden wünschen", sagt Stockhammer.