Das totale Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018 wird ein Trafikantensterben auslösen, sagen Branchenvertreter. - © fotolia/constantinos
Das totale Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018 wird ein Trafikantensterben auslösen, sagen Branchenvertreter. - © fotolia/constantinos

Wien. Die gestiegenen Tabakpreise und das im Nationalrat beschlossene Trafikpaket sind zwar im Sinne der Trafikanten, das Überleben sichert das den meisten aber nicht. Vom Zigaretten-Verkaufspreis werden 20 Prozent Umsatzsteuer sowie eine fixe und eine variable Tabaksteuer abgezogen, was bleibt, teilen sich Industrie, Trafikanten und Tabakverkaufsstellen. Und dieser Rest wird immer weniger.

"Die Handelsspannen sinken, weil die Industrie die Preise nicht entsprechend erhöht", sagt Andreas Schiefer, Bundesobmann-Stellvertreter der Trafikanten. Die Handelsspanne liege derzeit bei 12,2 Prozent, 1995 waren es noch 15 Prozent. "Die Steuern sind sukzessive gestiegen", sagt Schiefer. Jeder Finanzminister versuche, jährlich das Gesamtsteueraufkommen um 40 bis 80 Millionen Euro zu steigern. Dieses liege bei rund 1,8 Milliarden Euro. Der Steuersatz pro Zigarette betrage 78 Prozent, vor zehn oder 15 Jahren seien es 60 Prozent gewesen.

Getränke bringen wenig


In der Folge hätten sich die Trafikanten kannibalisiert. Die Politik verspreche immer wieder, etwas für sie zu tun, doch bisher sei nicht viel passiert. "Dass wir Getränke und Ähnliches dazubekommen haben, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt Schiefer. Stattdessen gebe es Kaufabflüsse nach Ungarn, Slowenien, Tschechien und in die Slowakei. Zwar dürften pro Person nur 800 Zigaretten mitgenommen werden, doch werde das kaum kontrolliert.

Darüber hinaus gebe es einen Aderlass in Richtung andere Verkaufsstellen. Vor allem Lotto und Zeitungen werden zunehmend von Tankstellen und Gasthäusern verkauft. Auch wenn der Tabakumsatz 60 bis 70 Prozent des Geschäfts ausmache, würde man das spüren. Gleichzeitig würden Miete und Personalkosten steigen. "Ein Großteil der Kollegen hat eine Behinderung, da kann man nicht erwarten, dass sie 60 Stunden pro Woche im Geschäft stehen", sagt Schiefer. Die Monopolverwaltung sei hier nicht einsichtig. Dabei könnte man mehr Behinderte in Trafiken als Angestellte integrieren. Das Geld dafür könnte aus der Monopolabgabe verwendet werden. Die Monopolverwaltung hebe 0,19 Prozent des Tabakumsatzes ein, jährlich werde ein Überschuss von rund 1,5 Millionen Euro produziert. "Das Geld geht an den Finanzminister. Man könnte es für kleine Trafiken verwenden, damit ihnen Personal zur Verfügung steht und sie auf Urlaub gehen können", sagt Schiefer. Er fordert von der Politik eine "vernünftige Standortpolitik". Trafikanten wurde das Zusperren finanziell abgegolten, wodurch die schlecht gehenden Standorte weniger wurden. Doch danach wurde nicht eine nötige Strukturpolitik betrieben, etwa Trafikanten in schlechten Lagen in leerstehende Geschäftslokale in besseren Lagen umzusiedeln, sagt Schiefer.

Schlechter Ruf


Hannes Hofer, Geschäftsführer der Monopolverwaltung, ist bei der Standortpolitik mit Schiefer einer Meinung. "Wir setzen uns für die Trafikanten ein." Aufgrund verschiedener Interessenlagen von Konsumenten, Unternehmern und Politik sei das in der Praxis aber oft schwierig. Ziel der Monopolverwaltung sei es, möglichst viele Behinderte in Trafiken unterzubringen. Das Ziel mancher Branchenvertreter dagegen sei es, dass die Trafiken möglichst gut verdienen. Die von Schiefer angesprochene Personalfrage sei nicht einfach zu lösen. Trafiken würden oft keine Leute finden, weil die Branche den Ruf habe, wirtschaftlich schlecht dazustehen. Es müssten die Versuche, wieder Dynamik hineinzubringen, stärker betont werden.

Derzeit gibt es rund 2460 Tabakfachgeschäfte, 3500 Tabakverkaufsstellen und 12.000 bis 13.000 Mitarbeiter. Jährlich werden in Österreich rund 13 Milliarden Stück Zigaretten verkauft. 2016 lag der Umsatz mit Tabakwaren bei 3,057 Milliarden Euro, ein Plus von 0,9 Prozent. Heuer soll der Umsatz stabil bleiben, doch aufgrund des totalen Rauchverbots in der Gastronomie im kommenden Jahr wird mit Umsatzeinbrüchen und weiteren Schließungen von Trafiken gerechnet.