Wien. Der Geschäftsführer des Österreichischen Weinbauverbands fehlte beim Pressetermin über die heurige Ernte am Montag. Er ist nämlich in Australien. "Vielleicht, um die Sorten der Zukunft anzusehen", sagte der Präsident des Weinbauverbands, Johannes Schmuckenschlager, anfangs noch im Scherz. Angesprochen auf den Klimawandel und die voranschreitende Trockenheit, bestätigte er dann doch den Ernst der Lage - und, dass man bereits intensiv über Gegenmaßnahmen nachdenke.

Für gewisse Sorten sei die Trockenheit allerdings gar nicht so schlecht, so Schmuckenschlager. Deren Qualität sei heuer daher besonders hoch. Neuburger und Riesling zum Beispiel seien gut trockenverträgliche Weißweinsorten. Die großen Gewinner seien jedoch die Rotweine. Auch was die heurige Ernte betrifft, hätten deren Trauben von der Dürre profitiert. Denn wenige Niederschläge bedeuten einen geringen Pilzbefall und kaum Fäulnisdruck. Auch Frost und Hagel hätten weniger Schäden als im Vorjahr angerichtet. "Die Beeren sind dadurch vollreif und gesund. Die Winzer können einen hervorragenden Wein keltern." Vor allem der Zweigelt und der Blaufränkische im Burgenland und in der Steiermark hätten eine "wunderbare Qualität".

Hohe Säurewerte beim Weißwein

Beim Weißwein sei indes der Säuregrad ein generelles Problem. Der österreichische Wein lebe zwar "von der Spritzigkeit und Säure", sagte Schmuckenschlager, bei zu hohen Nachttemperaturen, wie es sie heuer gab, könnten sich die Säurewerte jedoch wenig stabilisieren. Die Kunst der Winzer beim heurigen Lesegut für Weißwein sei, eine Balance zwischen der reifen Traube und deren Säure zu schaffen.

"Die Entwicklung geht daher hin zu Rotwein", resümierte Schmuckenschlager. Aktuell sind etwa zwei Drittel der gesamten österreichischen Weingartenfläche mit weißen Rebsorten bestockt. Die Sortenwahl sei in Zukunft ein "Riesenfaktor, bei dem sich viel entwickeln wird".

Auch die Lage der Weingärten könnte sich künftig verändern, und zwar in Richtung Ost- und Nordlagen. Denn diese sind der Hitze nicht so stark ausgesetzt. Eine weitere mögliche Antwort auf die Dürre ist die aktive Beschattung durch die Rebzeilen. Pflanzte man diese früher im Abstand von drei Metern, gehe die Tendenz bereits jetzt hin zu engeren Zeilen, damit diese einander Schatten spenden, so der Weinbauverband-Präsident. Einige Winzer ließen auch zunehmend das Laub hängen, damit die Sonne den Boden nicht in voller Intensität erreicht.

Kontroversiell sei die Bedeutung von Grünflächen zwischen den Rebzeilen. Diese fördern zwar die Humusbildung, ziehen der Rebe aber auch Wasser ab. Bei voranschreitender Dürre sollte man diese daher laut Schmuckenschlager eher kurz halten.

Ein großes Thema im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist freilich die Bewässerung. Derzeit würden bis zu zehn Prozent der Weingärten bewässert, vorrangig Jungweingärten und in Gebieten mit hoher Trockenheit wie der Thermenregion, der Wachau sowie dem nördlichen Weinviertel, sagte Schmuckenschlager. Bereits jetzt gehe die Tendenz hin zu mehr Bewässerung. Vor allem bei Neuanlagen werde diese gleich mitgedacht und eingebaut. Die damit verbundenen Investitionen - eine Bewässerungsanlage kostet rund 3000 bis 5000 Euro pro Hektar - könnten "durchaus wieder aufgrund der höheren Qualität verdient werden".

Menge unter dem Durchschnitt

Die Möglichkeit, seinen Weingarten neu und trockenheitsresistenter zu gestalten, bietet sich einem Winzer etwa alle 30 Jahre. Solange können dessen Erträge gewinnbringend sein, danach sind die Rebstöcke zu alt und haben nicht mehr genug Trauben.

Wie viele Trauben es heuer letztendlich sein werden, die zum Wein gereift ihren Weg in Österreichs Weinregale finden werden, wollte Schmuckenschlager noch nicht konkretisieren. Ob der Jahrgang im Durchschnitt oder darunter liegen wird, werde sich erst in den kommenden zwei Wochen entscheiden - und davon abhängen, ob es regnet. Der Durchschnitt liegt bei 2,5 Millionen Hektoliter. Nur falls es regnet, könnte die heurige Ernte laut Schmuckenschlager 2,3 Millionen Hektoliter erreichen.

Aufgrund der langen Hitzeperioden seien die Trauben schon jetzt vollreif, die Hauptlese werde daher um rund zwei Wochen früher als sonst, nämlich um den 10. September herum, beginnen. Trauben für Sturm und Most werden im Burgenland schon seit Mitte August geerntet. Preislich werde man auch heuer stabil bleiben, so Schmuckenschlager.

Im Gegensatz zu den Weintrauben leidet der Hopfen massiv unter der Trockenheit. Die Bierbrauer in der Südsteiermark gehen sogar von Einbußen von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr und von 20 Prozent verglichen mit einer "normalen Ernte" aus. Auch hier setze man künftig auf trockenheitsresistentere Hopfensorten, heißt es.