Baumgarten an der March. Die Explosion in der Gasstation von Gas Connect hat ein Todesopfer, eine schwerverletzte Person und 20 Leichtverletzte gefordert. Diese Zahlen nannte Sonja Kellner vom Roten Kreuz Niederösterreich am frühen Dienstagnachmittag in Baumgarten a.d. March im Bezirk Gänserndorf. Bei den Opfern handle es sich mehrheitlich um Gas Connect-Mitarbeiter, sagte Unternehmenssprecher Andreas Rinofner.

Mikl-Leitner am Unglücksort
 Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat am Dienstagnachmittag den Unglücksort in Baumgarten a.d. March (Bezirk Gänserndorf) besucht. Sie sprach im Anschluss von einer herausfordernden und daramtischen Situation, die in der Früh zu bewältigen gewesen sei. Bei dem Toten handelt es sich laut Gas Connect-Geschäftsführer Stefan Wagenhofer um einen Mitarbeiter einer Fremdfirma.

Die Ausdehnung der Explosion auf dem 17 Hektar großen Areal beschrieb Wagenhofer mit etwa 100 mal 100 Metern. Es handle sich um einen Bereich, wo es zuletzt eine Bautätigkeit gegeben habe. "Heute nicht", fügte der Geschäftsführer hinzu.

Als herausfordernd beschrieb auch Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner den Einsatz. Erst gegen 15.30 Uhr habe es Brand aus gegeben. Nachlöscharbeiten dauerten an. Eine Brandwache sollte die gesamte Nacht auf Mittwoch aufrecht bleiben. Ein Drittel der Feuerwehren des Bezirks Gänserndorf seien aufgeboten gewesen, so Fahrafellner.

Jener Verletzte, der von "Christophorus 9" ins AKH Wien geflogen wurde, ist nach Angaben des Roten Kreuzes noch am Dienstag in häusliche Pflege entlassen worden.

Das mit Verbrennungen schwerverletzte Opfer wurde nach ÖAMTC-Angaben von "Christophorus 9" ins AKH Wien geflogen. Weitere Verletzte wurden ins Wiener SMZ Ost und UKH Meidling sowie ins Landesklinikum Hainburg transportiert, teilte Kellner mit. Sie berichtete zudem, dass das Wohnhaus der Lebenshilfe in der Katastralgemeinde von Weiden an der March nach der Explosion evakuiert worden sei. Es habe sich um eine Maßnahme aus Sicherheitsgründen gehandelt. Etwa 50 Personen seien in der Folge von Kriseninterventionsteams (KIT) betreut worden.

Anlage im Sicherheitsmodus

Laut Rinofner wurde die Anlage nach der Explosion in einen Sicherheitsmodus geschaltet und evakuiert. Etwa 60 Personen seien zum Unfallzeitpunkt in Baumgarten a.d. March tätig gewesen. Der Sprecher bestätigte zu Mittag, dass Gas Connect von einem technischen Gebrechen als Ursache ausgehe. Zwei der Verletzten seien Mitarbeiter einer Fremdfirma. Ein Betreten der Station war Rinofner zufolge vorerst nicht möglich.

Bei dem Todesopfer und den Verletzten handle es sich um österreichische Staatsbürger. Die Explosion hatte sich laut dem Sprecher im westlichen Bereich der Anlage ereignet. Bei dem Unternehmen herrsche große Betroffenheit, dass es trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen dazu gekommen sei. "Es ist in unserem eigenen Interesse, den Unfall höchst genau zu untersuchen", betonte der Sprecher. Die Gasversorgung in Österreich sei durch Umleitungsverkehr sichergestellt, fügte er hinzu.

Richtung Süden und somit u.a. nach Italien sei die Versorgung eingeschränkt, teilte Rinofner auf Anfrage mit. Entsprechende Information sei ergangen. Wann wieder Normalbetrieb herrschen werde, "können wir zur Stunde nicht sagen".

"Höchste Alarmstufe" nach der Explosion

Seitens der Feuerwehr sei nach der Explosion "höchste Alarmstufe" ausgelöst worden, erklärte Landeskommandant Dietmar Fahrafellner. Die Brandbekämpfung u.a. mit Schaum dauerte an, sollte jedoch noch am frühen Nachmittag abgeschlossen werden. Im Einsatz standen u.a. noch 30 Atemschutztrupps.

Indes waren auch die Brandermittler des Landeskriminalamtes in Baumgarten a.d. March eingetroffen. Sie würden auf die Freigabe des Unfallortes durch die Feuerwehr warten, um ihre Ermittlungen aufnehmen zu können, teilte Heinz Holub von der Landespolizeidirektion mit.

Größte Übernahmestation für Erdgas in Österreich

Die Gasstation Baumgarten ist die größte Import- und Übernahmestation für Erdgas in Österreich. Laut dem Betreiber Gas Connect wird dort Erdgas aus Russland, Norwegen und anderen Ländern übernommen, gemessen, geprüft und für den Weitertransport verdichtet.

Die Anlage entstand 1959 aus der ursprünglichen Förderstation des Gasfeldes Zwerndorf im niederösterreichischen Marchfeld. Sie zählt laut Gas Conncet zu einer "der bedeutendsten Drehscheiben für die europäische Erdgasversorgung". Hier haben Transit-Pipelines wie die Trans-Austria-Gasleitung (TAG), die West-Austria-Gasleitung (WAG) und die Hungaria-Austria-Gasleitung (HAG) ihren Ausgangspunkt. Das Verteilerleitungsnetz in Österreich erstreckt sich über nahezu 40.000 Kilometer.

Aus Baumgarten wird das Erdgas über die großen Transitleitungen nach Deutschland, Italien, Frankreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn gebracht und über das Primärverteilsystem in die österreichischen Bundesländer transportiert. Rund ein Drittel der für Westeuropa bestimmten Exportmenge aus Russland wird über die Erdgasdrehscheibe Baumgarten abgewickelt. Gas Connect Austria stellt die Logistik und Infrastruktur bereit. Das Unternehmen steht zu 100 Prozent im Eigentum des Mutterkonzerns OMV.