Wien. (apa/rei) Der Brand war bis Wien zu sehen, Fotos der Flammen am Horizont kursierten am Dienstagvormittag in sozialen Medien: Gegen 9 Uhr morgens erschütterte eine massive Explosion die Gasstation Baumgarten bei Weiden an der March im niederöstereichischen Weinviertel. Ein Mann verlor beim Unfall sein Leben, 21 weitere wurden verletzt, davon erlitt eine Person schwere Verbrennungen. Die Verletzten seien umgehend medizinisch versorgt worden, so ein Sprecher des ÖAMTC.

Bei den Opfern handelt es sich mehrheitlich um Mitarbeiter des Betreibers Gas Connect Austria, einer Tochter der OMV, sagte Unternehmenssprecher Andreas Rinofner zur APA. Zwei Personen seien Angestellte einer Fremdfirma. Die Polizei ging am Dienstagnachmittag von einem technischen Gebrechen als Ursache der Explosion aus. Das Werk wurde laut Gas Connect Austria unmittelbar nach dem Umfall "im kontrollierten Zustand heruntergefahren" und sei außer Betrieb. Ein Großaufgebot von Einsatzkräften war vor Ort: Etwa 22 Feuerwehren mit 250 Mann, 40 Mitarbeiter des Roten Kreuzes und ebenso viele Polizeikräfte kümmerten sich um die Löscharbeiten sowie die Versorgung der Verletzten. Ein Wohnhaus der Lebenshilfe in unmittelbarer Umgebung des Werks sei nach der Explosion evakuiert worden, es habe sich um eine Maßnahme aus Sicherheitsgründen gehandelt, so eine ÖAMTC-Sprecherin. Etwa 50 Personen seien in der Folge von Kriseninterventionsteams betreut worden.

Gemessen an der Wucht der Explosion ist der Unfall wohl noch eher glimpflich ausgegangen: Die enorme Hitze ließ den Lack auf umstehenden Autos schmelzen, wie Fotos vom Unfallort zeigen. Kurz nach 15 Uhr am Dienstag war der Brand gelöscht.

Gaspreise stark gestiegen

Bei Gas Connect Austria herrsche große Betroffenheit, dass es trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen dazu gekommen sei. "Es ist in unserem eigenen Interesse, den Unfall höchst genau zu untersuchen", betonte Sprecher Rinofner. Die Gasversorgung in Österreich sei durch Umleitungsverkehr sichergestellt, fügte er hinzu.

Die Gasstation Baumgarten ist die größte Import- und Übernahmestation für Erdgas in Österreich. Laut Gas Connect wird dort Erdgas aus Russland, Norwegen und anderen Ländern übernommen, gemessen, geprüft und für den Weitertransport verdichtet. "Die benachbarten Fernleitungsbetreiber sind umgehend informiert worden, damit rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet werden können", hieß es seitens Gas Connect Austria. Die Gasleitungen in die Slowakei waren nach der Explosion unterbrochen, die Slowakei bot Österreich Unterstützung durch Rettungsgerät und Feuerwehrkräften an. Auch Italien zeigte sich besorgt über Lieferengpässe, kann jedoch auf Reserven zurückgreifen. Agenturmeldungen zufolge soll Italien dennoch den Energienotstand ausgerufen haben. Allerdings konnten schon vor Mitternacht die Gaslieferungen nach Deutschland, Ungarn und auch Italien wieder in Betrieb genommen werden. Die nationale Erdgasversorgung sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen.

In Italien war am Dienstag nach dem Unglück der Day-ahead-Großhandelspreis um 87 Prozent auf 44,50 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen. Der Preis für britisches Gas zur sofortigen Lieferung schnellte um 32 Prozent nach oben.

An der Wiener Börse notierte die OMV-Aktie Dienstagmittag mit 53,12 Euro um rund 1,2 Prozent niedriger, der Wiener Leitindex ATX gab um 0,26 Prozent nach.