Bildung sei eine Frage der sozialen Schicht, sagt Mazal. Das Bewusstsein über die Möglichkeiten, wie man sein Kind bestmöglich fördert, sei bei besser Gebildeten höher. Diese seien bereit und finanziell in der Lage, in Privatschulen zu investieren. Mazal: "Wir werden uns mit immer mehr Ungleichheit abgeben müssen, auch was die Bildung betrifft."

Nettovermögen variiert stark


Dazu kommt, dass besser Gebildete für gewöhnlich weniger Kinder haben, in die somit mehr Geld investiert werden kann. Akademiker, die eine längere Zeit der Ausbildung widmen, gehen aufgrund dessen meist später eine fixe Bindung ein. Das durchschnittliche Alter von Akademikerinnen bei der Geburt ihres ersten Kindes liegt laut Mazal bei 35 Jahren. Mit höherem Alter sinkt jedoch die Fertilitätsrate - und mit dieser "die Geburtenrate in diesen Milieus", so Mazal.

Das führt uns wiederum zur Vermögensschere zurück. Denn: Weniger Kinder erben einen größeren Teil des Vermögens. Ökonomin Schneebaum von der Wirtschaftsuniversität Wien hat im Zuge ihrer Studie auch die Vermögenssituation mit Zahlen unterlegt. Das Nettovermögen von Paaren, von denen beide Partner höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, beträgt demnach durchschnittlich 227.705 Euro. Bei Akademiker-Paaren ist es mit 543.750 mehr als doppelt so hoch. Zum Nettovermögen zählen zum Beispiel Sparbücher, Wertpapiere, Immobilien und Autos abzüglich der Schulden, die man hat.

"Wenn sich ,gleich‘ zu ,gleich‘ gesellt, verflechten sich als Konsequenz daraus die sozio-ökonomischen Merkmale beider Partner", so die Autorinnen. Für gut ausgebildete Paare sei das positiv, weil die Partner beispielsweise bei Investitionsentscheidungen einen besseren Zugang zu Informationen vorweisen. Für die andere Seite habe dieses Handlungsmuster bei der Partnerwahl jedoch schwerwiegende, negative Folgen: "Wenn zwei weniger gebildete Menschen miteinander zusammenleben, hat ihr Haushalt vergleichsweise schlechte Ertragspotenziale", heißt es in der Studie.

Wären die Paare anders zusammengesetzt - jeweils ein hoch- und ein weniger gebildeter Mensch -, würden sie sich in ihren Einkommensmöglichkeiten annähern und wären folglich gleicher. "Ein hoher Grad an Bildungshomogamie ist mit steigender Vermögensungleichheit verbunden, die über Generationen hinweg vertieft wird."

Im Zuge einer weiteren Erhebung kam Schneebaum gemeinsam mit Julia Groiß und Barbara Schuster zu dem Schluss, dass der Anteil des Vermögens der Reichsten derzeit überdurchschnittlich stark ansteigt. Global betrachtet verfügen zehn Prozent der Bevölkerung bereits über 80 Prozent des Vermögens. Vor allem Unternehmensbesitz spiele für die Top zehn Prozent eine bedeutende Rolle - die Unternehmen würden oft nur auf wenige Personen übertragen respektive vererbt, "was zu einer Reproduktion der Vermögenskonzentration am oberen Rand der Verteilung führt", so die Autorinnen.