Klosterneuburg. In einem Missbrauchsfall aus dem Jahr 1993 im Stift Klosterneuburg hat die im Dezember angekündigte Expertengruppe ihre Arbeit aufgenommen. Das teilte das Stift am Samstag in einer Aussendung mit. Ein damaliger Augustiner-Chorherr soll 1993 einen minderjährigen Ministranten missbraucht haben. Der Fall war im September des Vorjahres in der Öffentlichkeit bekannt geworden.

Die Expertengruppe wird von Brigitte Dörr, Büroleiterin der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft, geleitet. Ihr gehören weiters an der Psychiater Reinhard Haller und der frühere Präsident des Wiener Stadtschulrates, Kurt Scholz - beide sind Mitglieder der Unabhängigen Opferschutzkommission - sowie Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs. Bei Bedarf werde man weitere Fachleute hinzuziehen.

Aufklärung und Empfehlungen

Die Aufklärung der Vorwürfe sowie Empfehlungen für die Zukunft stünden im Fokus, wird seitens des Stiftes Klosterneuburg betont. Die Expertengruppe soll den Sachverhalt erheben sowie dokumentieren, beurteilen und für das zukünftige Tun des Stiftes Empfehlungen abgeben.

"Wir sind froh, für diese wichtige Aufgabe renommierte Fachleute gewonnen zu haben, die bereit sind, ihre langjährige Erfahrung einzubringen", so der Propst des Stiftes Klosterneuburg, Bernhard Backovsky. Man nehme die Aufgabe "mit dem dafür notwendigen Verantwortungsbewusstsein" an und werde diese "nach unserem Ermessen erfüllen", hieß es seitens der Gruppe nach dem ersten Arbeitstreffen.

Das Stift Klosterneuburg gewähre "uneingeschränkten Zugang, um den Sachverhalt erheben zu können. Wir werden über die im Verlauf der Analyse gewonnenen Erkenntnisse transparent berichten".

Der Fall war im September des Vorjahres durch einen "profil"-Bericht bekanntgeworden. Dem Stift Klosterneuburg wurde angelastet, den Beschuldigten damals nicht der staatlichen Justiz zugeführt zu haben.

Als im Jahr 1993 erste Vorwürfe geäußert worden seien, habe das Stift "konsequent im Sinne des Betroffenen gehandelt und den Beschuldigten aus dem Kloster entfernt", hatte daraufhin Propst Backovsky festgestellt. Laut einer Erklärung des Stifts vom September 2017 habe es auf Wunsch der Mutter des Opfers keine Anzeige gegeben.