St. Pölten. Dem Marchfeldspargel merkt man seine Qualität freilich an - frühestens, wenn man auf das Preisschild schaut. Umso verwunderlicher mag es erscheinen, wenn dieser auf niederösterreichischen Straßenständen oder Märkten um ein bis drei Euro billiger als beim Ab-Hof-Verkauf zu haben ist. Der Grund dafür könnte sein, dass das gar kein Marchfeldspargel ist. In der Spargelsaison, die soeben gestartet ist, seien oft auch billige Kopien aus dem umliegenden und weiteren Ausland im Umlauf, sagt Werner Magoschitz, Obmann des Vereins "GenussRegion Marchfeldspargel g.g.A.", der 17 Mitgliedsbetriebe zählt. Der billige Mogelspargel aus dem Ausland bedrohe den heimischen Markt zunehmend.

Er werde einfach in Schachteln mit der Aufschrift "Marchfeldspargel" umgepackt und in diesen verkauft, ergänzt Vereinskoordinator Gerhard Sulzmann im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Denn für diesen gebe es einen höheren Preis -der jenen des echten Marchfeldspargels von sechs bis zehn Euro pro Kilogramm dennoch um einiges unterbietet. Zu Beginn der Saison, wenn es noch wenig Spargel und eine große Nachfrage gibt, sei der Preisunterschied etwas geringer. "Nächste Woche, wenn die Haupternte beginnt und im umliegenden Ausland auch eine günstige Witterung - nämlich warm und sonnig - ist, wird der Preisunterschied dann größer", sagt Sulzmann.

EU-Gütezeichen "geschützte geografische Angabe"

Eigentlich geht es nur um drei Buchstaben. Und zwar um "g.g.A." hinter der offiziellen Bezeichnung "Marchfeldspargel g.g.A.", was so viel wie "geschützte geografische Angabe" bedeutet. Diese drei Buchstaben, die der Marchfeldspargel 1996 als EU-rechtlich anerkanntes Gütezeichen verliehen bekommen hat, sind hart verdient. Sie setzen eine umweltschonende Produktion, ideale klimatische Bedingungen und besondere Bodenverhältnisse im Anbaugebiet voraus - und zwar ausschließlich im Marchfeld. Das Land Niederösterreich wie auch private Stellen führen regelmäßig Kontrollen auf den Höfen durch, ob sämtliche Bedingungen für das Gütezeichen nach wie vor erfüllt sind.

Gemeinsam mit den in Österreich generell hohen Lohnnebenkosten hat das freilich seinen Preis. Für die rund neunwöchige Erntezeit eines Hektars Spargelfeld sind laut Magoschitz 800 Arbeitsstunden notwendig. Österreichweit wird auf 580 Hektar Spargel angebaut, 475 Hektar davon befinden sich im Marchfeld. Am Ende der heurigen Saison wird man voraussichtlich 1600 bis 1700 Tonnen Spargel geerntet haben.