Wien. (dab) Es ist eine neue Verteidigungslinie, die Walter Meischberger zuletzt im Buwog-Prozess eröffnet hat: Jörg Haider sei der entscheidende Faktor bei der Privatisierung der Bundeswohnbaugesellschaften 2004 gewesen. Richterin Marion Hohenecker befragte Meischberger am Mittwoch erneut genauer zur Rolle Haiders.

Meischberger hatte erklärt, die geheimen Informationen aus dem Bieterverfahren, die er an das später siegreiche Bieterkonsortium weitergab, von Haider erhalten zu haben. Laut Anklage stammen diese Informationen hingegen vom damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

"Der Informationsfluss von Haider an mich war völlig legal", meinte Meischberger am Mittwoch. "Wie kam Haider an die Informationen?", fragte Hohenecker. "Er kann sie von Bankhäusern, aus dem Beamtenbereich oder der Politik haben. Das ist nicht einschränkbar." - "Haben Sie bei ihm nachgefragt?" - "Wenn Haider etwas sagt, dann ist es so."

Eine Nachfrage hätte Haider als "Majestätsbeleidigung" empfunden. Er habe Haider - der Kärntner Landeshauptmann starb 2008 bei einem Autounfall - gut gekannt und ihm einfach vertraut. "Wenn Sie ihn so gut kennen, müssten Sie auch wissen, woher er diese Informationen hat", hakte Hohenecker nach. Hundert Menschen kämen da als mögliche Informanten in Frage, sagte Meischberger.

Der Angeklagte betonte auch, mit dem zweiten Anklagekomplex "Terminal Tower" - das Bauunternehmen Porr und andere Gesellschaften sollen 200.000 Euro Schmiergeld gezahlt haben, damit sich die Finanz in ein Hochhaus in Linz einmietet - nichts zu tun gehabt zu haben. Er sei für die Porr als Berater tätig gewesen, die 200.000 Euro habe er für seine gute Arbeit zum Abschied vom - ebenfalls verstorbenen - Ex-Porr-Chef Horst Pöchhacker erhalten. Am Donnerstag geht die Befragung von Meischberger weiter.