Vermutlich werden vor Grasser daher noch der bereits erwähnte Vermögensberater und der Ex-Meischberger-Anwalt einvernommen. Bezüglich des erkrankten Plech besteht noch Ungewissheit. Derzeit wartet Hohenecker laut Medienberichten auf ein Gutachten, das auch ergeben könnte, dass Plech verhandlungsunfähig ist. Aus Krankheitsgründen nicht vor Gericht steht bereits Ludwig Scharinger, Ex-Chef der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich. Scharinger hatte bei einem Jagdausflug in Russland einen Unfall.

Für eine Überraschung war Hohenecker aber bereits mehrmals gut. Vielleicht vernimmt sie Grasser gleich nach Meischberger. Allzu lange kann es jedenfalls nicht mehr dauern. Wohl spätestens im Juli dürfte Grasser befragt werden.

Ist der Schöffenschwund wirklich so dramatisch?

Vielfach wurde bisher der Schöffenschwund thematisiert. Schöffen sind Laienrichter, sie entscheiden gemeinsam mit den Berufsrichtern über Schuld und Strafe. Ursprünglich gab es im Buwog-Prozess zwölf Schöffen (zwei Haupt-, zehn Ersatzschöffen). Ihre Zahl hat sich bereits halbiert - aus Krankheitsgründen und wegen Zuspätkommens. Mindestens zwei Schöffen müssen bis zum Schluss überbleiben, damit ein Urteil gefällt werden kann. Ansonsten müsste das Verfahren wiederholt werden. Dass der Prozess wegen fehlender Laienrichter platzt, ist aber unwahrscheinlich. Reduziert sich ihre Zahl weiter, wird man vorsichtiger vorgehen. Erkrankt ein Schöffe, wird die Verhandlung vielleicht vertagt werden, bis er wieder gesund ist. Verspätet sich ein Schöffe, wird man künftig auf ihn warten.

Wie ist die Verhandlung bisher verlaufen?

Der Buwog-Prozess ist bisher vor allem ein Zweikampf gewesen: Ex-Lobbyist Peter Hochegger gegen Grasser und Co. Hochegger hat im Dezember 2017 ein Teilgeständnis abgelegt. Grasser, Plech und Meischberger hätten bei der Buwog-Privatisierung Schmiergelder kassiert, sagte Hochegger. Er selbst habe aus Profitgier zwei Millionen eingesteckt, erklärte der Ex-Lobbyist, der sich als geläuterter Mann präsentierte.

Die anderen Angeklagten bestreiten das - sie schießen sich geschlossen auf Hochegger ein. Hochegger glaube, er könne "durch eine Unwahrheit seine Situation" verbessern, erklärte Grassers Verteidiger Manfred Ainedter. Der "Freimaurer" Hochegger habe einen "abgekarteten Deal" mit der Staatsanwaltschaft geschlossen, sagte Meischberger.

Meischberger hat auch mit der Aussage aufhorchen lassen, dass Jörg Haider und nicht Grasser der entscheidende Faktor bei der Privatisierung der Bundeswohnbaugesellschaften 2004 gewesen sei. Von Haider, der 2008 verstarb, habe er die Informationen bekommen, die er an das später siegreiche Bieterkonsortium im Zuge der Buwog-Privatisierung weitergegeben habe. Als es zuletzt um seine Liechtensteiner Bankkonten ging, geriet Meischberger aber ins Schwimmen. Mehrmals musste er zugeben, dass er sich die verschiedenen Geldflüsse und Schreiben nicht erklären könne.

Die nächsten Wochen wird es um die Causa wieder etwas ruhiger werden. Erst am 23. Mai wird die Befragung von Meischberger fortgesetzt.