Wien. Kaum hatte sich die Lage nach dem Unwetter im Südburgenland entspannt, fegte das nächste durch das Land - diesmal traf es die Steiermark. Im oststeirischen St. Lorenzen am Wechsel war man am Dienstag immer noch mit den Aufräumarbeiten nach den Überschwemmungen und Muren beschäftigt. In der Oststeiermark waren bereits in der Vorwoche schwere Gewitter niedergegangen, ebenso in Kärnten und in der Woche davor im Raum St. Pölten in Niederösterreich.

In der Landwirtschaft ist dadurch laut Hagelversicherung ein Schaden von vier Millionen Euro entstanden. Fast 10.000 Hektar Ackerkulturen, Grünland, Wein- und Obstkulturen seien schwer geschädigt worden, heißt es.

Je wärmer die Luft, desto
mehr Wasser nimmt sie auf

"Diese Häufung an Unwettern ist heuer außergewöhnlich", sagt dazu Simon Kloiber vom privaten Wetterdienst Ubimet. Untypisch sei auch, so Kloiber zur "Wiener Zeitung", dass es bereits so früh im Jahr so viele Unwetter gibt. Dass vor allem der Süden Österreichs betroffen ist, habe einen einfachen Grund: die Alpen. Denn mächtige Regenwolken und in der Folge Gewitter entstehen durch Temperaturunterschiede, also wenn warme Luft aufsteigt und der Wasserdampf dadurch zu Wassertröpfchen kondensiert. An den Alpen gibt es eine schräge Heizfläche - und somit starke Temperaturunterschiede. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. So kann eine einzige Wolke mehrere Millionen Liter Wasser enthalten.

Gewitter entstehen dadurch meist im Berg- und Hügelland und ziehen dann ins Flachland weiter. Wann sie genau niedergehen, ist laut Kloiber allerdings schwer vorhersehbar: "Das kann man nicht einmal zwei Stunden vorher sagen."

Diesen sogenannten konvektiven Ereignissen im Alpenraum wollen nun österreichische Forscher auf den Grund gehen. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien, das Wegener Center de Universität Graz, das Austrian Institute of Technology sowie die Universität für Bodenkultur Wien sind daran beteiligt. Bis 2020 will man im Zuge des Projektes "reclip:convex" die sommerlichen Regenschauer und Gewitter und ihre möglichen Entwicklungen in den nächsten Jahrzehnten im Alpenraum untersuchen. Dafür sollen erstmals Klimamodelle mit einer sehr genauen räumlichen Auflösung von ein bis drei Kilometer verwendet werden. Die Ergebnisse sollen auch in die Arbeit des Weltklimarats IPCC eingehen.

Die konvektiven Ereignisse gelten derzeit nämlich als die Sorgenkinder der Klimaforscher. Regenschauer und Gewitter sind relativ kleinräumige Ereignisse und konnten bisher von Klimamodellen nur grob erfasst werden. Immer leistungsfähigere Computer ermöglichen es aber nun, solche Modelle mit räumlichen Details so zu rechnen, dass sie auch die regionale Entwicklung von Regenschauern und Gewittern simulieren.

Der Sommer wird
"zu warm und zu feucht"

Wetter und Klima hängen laut Kloiber zwar nur bedingt zusammen, grundsätzlich werde die Luft aufgrund des Klimawandels aber wärmer. Dadurch könne sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen, und die Unwetterwahrscheinlichkeit steigt. In Österreich ist es schon um fast zwei Grad Celsius wärmer als 1880.

"Man muss davon ausgehen, dass der Sommer künftig länger wird", sagt Kloiber. Dieses Jahr sei es zum Beispiel im März noch extrem kalt gewesen, und unmittelbar danach sei der Frühsommer gestartet. Der heurige Sommer werde voraussichtlich - aktuellen Prognosen zufolge - warm und feucht werden. Zu warm und zu feucht im Vergleich zu einem Durchschnittssommer, sagt Kloiber - aber dem Trend der vergangenen Jahre folgend, als es ebenfalls Sommer dieser Art gab. Regional seien Dürreperioden, wie in den vergangenen Jahren ebenfalls häufig, deswegen aber nicht ausgeschlossen.