Wien/St. Pölten. "Hat der Wolf bei uns in Niederösterreich Platz?" Mit dieser Frage haben sich die Grünen Niederösterreich angesichts der Zuwanderung des in der EU geschützten Wildtiers beschäftigt. Landessprecherin Helga Krismer sprach sich bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien klar für den Artenschutz, verbunden mit Schutzmaßnahmen für Nutztierherden und Abgeltungen für geschädigte Bauern, aus.

Die Probleme würden nicht weggeleugnet, und "die Bauern dürfen nicht überbleiben", betonte Krismer. Zur Gefährlichkeit für Touristen meinte sie, das Risiko, auf einen Wolf zu treffen, sei natürlich vorhanden, aber sehr gering.

Seit zehn Jahren breiten sich Wölfe in Österreich wieder stärker aus

Seit 30 Jahren breiten sich Wölfe wieder in Europa aus, in Österreich verstärkt erst seit etwa zehn Jahren. Christian Pichler, Wolfsexperte des WWF Österreich, sprach von einer Herausforderung für die Gesellschaft und insbesondere für die Weidebauern. Er plädierte dafür, statt Panikmache und "populistischer Reden" die Rückkehr des Wolfs möglichst konfliktfrei zu gestalten. Er verwies auf das von der Umweltschutzorganisation erarbeitete Aktionsprogramm: Gefordert werden mehr Geld für Herdenschutzmaßnahmen und Entschädigungen für gerissene Tiere, mehr Forschung und Wolfsmonitoring sowie eine bessere Zusammenarbeit der Bundesländer - zumal der herumwandernde Wolf keine Grenzen kennt.

"Natürlich" hätten die Bauern keine Freude mit der Wiederansiedlung des Wildtiers, beschrieb Daniel Heindl von der NÖ Landwirtschaftskammer (LK) die Auswirkungen auf die bisher gepflogene Haltung von Schafen, aber auch Rindern und Geflügel im Freiland. Vom Trend her verzeichne etwa Frankreich oder Sachsen (Deutschland) bereits Rückgänge bei den Zahlen der Tiere in den Weidegebieten. Das Land Niederösterreich habe zum Wolfsmonitoring bei der LK NÖ eine Meldestelle eingerichtet, die vor allem Jäger nutzen. Auch wurde bereits eine Entschädigungstabelle für Tierrisse erstellt.

Ohne Schutzmaßnahmen - Zäune, Hirten, Herdenschutzhunde - werde es in Zukunft nicht gehen, wenngleich es keine 08/15-Lösung gebe, sondern auf den jeweiligen Betrieb zugeschnitten werden müsse, betonte Max Rossberg von der European Wilderness Society Austria. Nach seinen Worten sei Österreich mit seinem reichen Wildbestand ein "Schlaraffenland" für den Wolf und zugleich aufgrund der geografischen Lage eine Schnittstelle für die Genmischung der Populationen aus allen Himmelsrichtungen. Das Rudel im Waldviertel bestehe aus deutsch-polnischen Wölfen, die sich im weitgehend unberührten Gebiet des Truppenübungsplatzes Allentsteig vornehmlich von Wild ernähren. Das Bundesheer sei hier Artenschutzpartner, sagte Krismer.