Wie aber bringt man nun die Medien dazu, den Angeklagten zu mögen? In einem Grundsatzpapier rät die PR-Agentur "Ecker & Partner" davon ab, eine "aggressive, offensive, auf Konfrontation gegen das Justizsystem (. . .) ausgerichtete Kommunikationsstrategie" zu fahren. Das hinterlasse meist verbrannte Erde und könne den Angeklagten ignorant und überheblich wirken lassen. Stattdessen solle eine "gewisse Demut vor der Justiz und der Öffentlichkeit an den Tag" gelegt werden.

"Demut zu zeigen, bringt beim Leser Sympathiepunkte", sagt auch Krumpel. Der Mandant solle seine Position erklären, "ohne groß die Justiz anzugreifen". Denn: "Die Justiz genießt in der Regel eine höhere Glaubwürdigkeit beim Leser als der Beschuldigte. Beim Beschuldigten sagt jeder: ‚Ist ja klar, dass der das sagt und jetzt mit letzter Verzweiflung die Justiz angreift‘", so Krumpel.

Angriffslustig zeigt sich hingegen die Kommunikationsstrategie von Meischberger und Co.: Sie ist auf Konfrontation mit den Medien und der Justiz ausgerichtet. "Unabhängig von dieser Causa ist es eher unüblich, den Medien Parteilichkeit in großem Stil vorzuwerfen. Die Frage ist, was damit erreicht werden soll. Wer meint, dass Journalisten deswegen von einem Tag auf den anderen ihre Berichterstattung ändern, der täuscht sich", so Krumpel. Offensichtlich laufe das Buwog-Verfahren PR-mäßig aber "auf anderen Ebenen ab". "Es wird scheinbar auch die Strategie verfolgt, darzulegen, dass die Beschuldigten mitunter aus politischen Gründen angeklagt wurden."

Auf Meischbergers Seite ist von dem Ziel die Rede, man wolle unter dem Motto "Zeugen.Daten.Fakten" Prozessbeobachtern ermöglichen, sich ein objektives Bild vom Verfahren machen zu können - "unter Einbeziehung aller Standpunkte und Informationen".

Die "Story" und der Journalist

Alleine die Strategie macht das Kraut nicht fett. Auch die Mittel müssen richtig gewählt werden. Krumpel erklärt: "Pressekonferenzen machen nur in Ausnahmesituationen einen Sinn, wenn etwa die Inszenierung in den Vordergrund gerückt wird." Bei Gerichtsverfahren, die meist länger dauern, sei es besser, punktuell zu arbeiten. So könne man Journalisten mit Hintergrundinformationen versorgen und Interviews mit dem Beschuldigten vermitteln. "Dabei ist natürlich relevant, wer bisher wie über den Fall geschrieben hat und welche Zielgruppe erreicht werden soll."

Je nachdem, ob der Mandant von der menschlichen Seite oder fallbezogen dargestellt werden soll, wird die "Story" dann dem passenden Journalisten angeboten, sagt Krumpel. Und natürlich gehöre zum Ganzen auch eine persönliche Beziehung zum Reporter dazu. "Gerade im Ermittlungsverfahren, einem heiklen Stadium, ist journalistische Präzision wichtig. Das heißt, es soll das, was besprochen wurde, auch im richtigen Zusammenhang wiedergegeben werden."

Finanzierung unklar