Andrea Rejzek ist Oberärztin am Landesklinikum St. Pölten und leitet eine Privatordination für plastische Chirurgie in Wien. - © privat
Andrea Rejzek ist Oberärztin am Landesklinikum St. Pölten und leitet eine Privatordination für plastische Chirurgie in Wien. - © privat

Wien.Das Geschäft mit der Labioplastik boomt. Lediglich Fettabsaugungen und Brust-OPs sind derzeit noch gefragter als die Kürzung der Schamlippen. Der Bereich wächst schneller als jede andere Nische der Schönheitschirurgie, berichtet die "International Society of Aesthetic Plastic Surgery" (siehe Wissen). Wie ist das in Österreich? Was bewegt Frauen zu diesem Schritt, und wie gefährlich ist der Eingriff? Die "Wiener Zeitung" traf die plastische Chirurgin Andrea Rejzek zum Gespräch.

"Wiener Zeitung":Kein Bereich der Schönheitschirurgie wächst so rasant wie Kürzungen der Schamlippen (Labien). Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Andrea Rejzek: Ich kann es mir nicht erklären. Als Labioplastik vor 20 Jahren in den USA aufkam, war es ein Tabuthema, die Nachfrage war nicht groß. Kurz bevor ich vor zwölf Jahren meine Privatordination eröffnet habe, fragte mich ein Kollege, ob ich auch Labienkorrekturen anbieten würde. Damals dachte ich: "Wovon redet der?" Dann hat mich eine Kollegin, die mit dem Eingriff eines Dermatologen unzufrieden war, um eine solche Korrektur gebeten. Ich habe sie operiert, und sie war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Damit hat es begonnen.

- © Getty/Jutta Klee
© Getty/Jutta Klee

Wie oft operieren Sie heute Frauen an den Labien?

Heute führe ich die Operation ein- bis zweimal pro Woche durch. Also ja, es wird mehr. Ich weiß nicht, warum. Als ich anfing, hat das kaum ein plastischer Chirurg angeboten, heute machen es alle. Es ist inzwischen die häufigste OP, die ich in der Ordination durchführe, sogar häufiger als Brust-OPs.

Was bewegt Frauen zu diesem Schritt?

Manche stören abstehenden Ohren, manche empfinden ihre Labien als zu groß. Heute findet man im Internet viele Infos, dass man das richten lassen kann. Was beiträgt, ist der Trend zur Intimrasur, weil man dadurch die Vulva besser sehen kann, in der Sauna und in der Dusche ist sie präsenter geworden. Haare sind auch ein Polster und haben eine Schutzfunktion, mit ihnen spürt man längere innere Labien sicher nicht, wenn aber alles abrasiert ist, werden sie in engen Jeans oder Strings leichter irritiert.

Sind es vor allem ästhetische Beweggründe, oder haben manche Frauen auch Beschwerden?

Die meisten Probleme sind ästhetisch und haben einen psychischen Beigeschmack. Eine 24-Jährige sagte mir, sie sei noch Jungfrau, weil sie sich so sehr für ihre Schamlippen schäme. Viele sind gehemmt und finden sich nicht schön. Manchmal wurde das von Freundinnen oder Schwestern mit unbedachten Äußerungen ausgelöst. Manche Frauen haben Beziehungsprobleme, weil sie sich so genieren.