Löhne stiegen rasant an


Was hat das mit der Lohnentwicklung zu tun? AK Wien-Ökonom Markus Marterbauer erläutert, dass ungünstigere Arbeits- und Lebensbedingungen in einem Land Push-Faktoren sind, also zur Abwanderung animieren, ein höheres Lohnniveau aber einer von mehreren Pull-Faktoren sein kann.

Tatsächlich sind die Stundenlöhne Tschechiens seit 2000 laut Eurostat im Durchschnitt um 51 Prozent auf 7,0 Euro 2016 gewachsen. Weit weniger allerdings als in Rumänien, dort sind die Stundelöhne fast auf das Zweieinhalbfache, konkret 4,20 Euro, angewachsen. Und auch in Bulgarien haben sie sich auf 4,0 Euro mehr als verdoppelt. Außerdem liegen die Löhne damit nach wie vor deutlich unter den Stundenlöhnen in Österreich mit 24,3 Euro.

Ausgleichende Lohnpolitik


Marterbauer geht deshalb davon aus, dass es sowohl ein stärkeres als auch ein kontinuierliches Lohnwachstum braucht, um die Nachfrage nach Dienstleistungen zu steigern und um "den Konvergenzprozess zu beschleunigen. Dafür sollte sich Österreich während des Ratsvorsitzes einsetzen", sagt der Ökonom, "und für eine Stärkung der überbetrieblichen Lohnpolitik in diesen Ländern."

Denn die Wiiw-Studie zeigt auch, dass es nicht nur zwischen Arbeitslosigkeit und Abwanderung einen Zusammenhang gibt, sondern auch die zunehmende Liberalisierung der Arbeitsmärkte in Osteuropa, wodurch die Arbeitskräfte Angebot- und Nachfrage-Schwankungen stärker ausgesetzt sind, eine Rolle spielt. In Österreich arbeiten 98 Prozent der Beschäftigten in Branchen mit Kollektivverträgen, die Sozialpartnerschaft sorgt auch für einen österreichweiten Ausgleich der Lohnerhöhungen in den Branchen. Die Löhne in osteuropäischen Ländern werden aber dagegen zunehmend auf betrieblicher Ebene verhandelt.

Ein Beispiel: In Rumänien lag die Arbeitslosigkeit zwar nur bei 4,5 Prozent (Eurostat 2016). 2000 arbeiteten aber 98 Prozent der Beschäftigung mit Kollektivverträgen, heute sind es 35 Prozent. Die Folgen: Das Lohnniveau ist mit 4,20 Euro nicht nur nach wie vor niedrig. Die Unterschiede zwischen den Branchen wachsen rasant: Informatiker dürfen heute mit deutlich mehr, Touristiker mit gleichbleibenden, Landarbeiter aber mit gravierend sinkendem Einkommen rechnen als noch 2010.

Rumänien verliert bis 2030 durch mehr Ab- als Zuwanderung jährlich 40.000 bis 50.000 Arbeitskräfte zwischen 15 und 65 Jahren. Das sind ein bis 1,5 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter.