Sanierungsrate zu gering

Bei der Energieeffizienz, die vor allem den Gebäudesektor betrifft, sei die Sachlage etwas schwieriger. Da sei man bestrebt, die Sanierungsquote von derzeit einem Prozent auf zwei bis drei Prozent zu erhöhen (dieser Anteil aller Gebäude müsste pro Jahr saniert werden).

Mit der Ende Mai beschlossenen österreichischen Klima- und Energiestrategie habe sich die Bundesregierung bereits ambitionierte Ziele gesetzt, zum Beispiel, dass Strom bis 2030 gänzlich aus erneuerbaren Energien kommen soll. 2023 soll diese erstmals durch die Bundesregierung evaluiert werden. "Wir müssen daher erst einmal schauen, dass wir unsere Ziele erreichen", sagt Kosak, der für die strengeren EU-Klimaziele "keinen unmittelbaren Anpassungsbedarf" sieht.

Grundsätzlich seien diese realistisch und erreichbar, sagen dazu sowohl der Ökonom und Klimaexperte Stefan Schleicher vom Wirtschaftsforschungsinstitut als auch Adam Pawloff, Klimaexperte bei Greenpeace. Frankreich, Schweden oder Frankreich gelten in Sachen Klima als besonders engagiert, Tschechien, Polen und Ungarn als eher zurückhaltend. Der Erfolg in Deutschland steht und fällt mit dem Zeitpunkt des Kohleausstieges. Gewisse Veränderungen würden aber womöglich von der deutschen Automobilindustrie bewusst blockiert, mutmaßt Schleicher. Ohne ökosoziale Steuerreform, im Zuge derer fossile Brennstoffe besteuert werden, könne es wohl nicht funktionieren, vermutet wiederum Pawloff.

Allein - die Klimaziele der EU, sollte man sie erreichen, wären noch immer bei Weitem nicht genug, um die globale Klimaerwärmung aufzuhalten. Denn die Europäische Union ist Energiekommissar Cañete zufolge für weniger als zehn Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Die USA und China spielen hier eine weit größere Rolle.

"Zusammengerechnet würden die globalen Anstrengungen nicht einmal ansatzweise ausreichen, um die Erwärmung bis 2100 unter zwei Grad zu halten", sagt Pawloff. Würde man sämtliche angekündigte Maßnahmen und Ziele erfüllen, läge die Erwärmung noch immer bei etwa drei Grad. Eine Erwärmung um drei Grad gegenüber vorindustrieller Zeit würde wiederum laut einer Studie in der Zeitschrift "Nature Climate Change" bedeuten, dass sich die Fläche der europäischen Dürregebiete im Vergleich zum Referenzzeitraum von 1971 bis 2000 von 13 auf 26 Prozent verdoppeln würde. Mit Ausnahme von Teilen Skandinaviens würden die größten Dürreereignisse demnach drei- bis viermal länger dauern als bisher. Nur eine radikale Reduktion auf null Prozent CO2-Ausstoß in 20, spätestens 30 Jahren wäre laut Pawloff zielführend.