Wien. Fühlen Sie beim Kraulen schon das Wasser brodeln? Oder haben Sie sich beim Sprung ins kühle Nass schon mal verbrannt? Ganz so heiß ist es zwar dann doch nicht, aber das Baden in den mehr als 60 großen Seen in Österreich mit einer Fläche von mehr als 50 Hektar wird immer angenehmer, denn die Wassertemperatur steigt ständig an.

Dies hat Auswirkungen: auf das menschliche Badevergnügen, aber vor allem auch auf die Tier- und Pflanzenwelt. Ein Streifzug durch eine kaum negativ wahrgenommene Begleiterscheinung der globalen Erwärmung.

Laut einer internationalen Studie aus dem Jahr 2015 steigt die durchschnittliche Sommer-Oberflächentemperatur in den mehr als 200 untersuchten Seen weltweit (darunter auch österreichische) im Mittelwert um 0,34 Grad Celsius pro Dekade an.

In Österreich ist der Anstieg in manchen Seen noch größer, wie der "Wiener-Zeitung" vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus zur Verfügung gestellte Daten zeigen. So erhöhte sich beispielsweise die Temperatur des Wörthersees seit 1985 um mehr als ein halbes Grad pro Jahrzehnt. Beim Lunzer See und beim Bodensee sind es mit gut 0,475 Grad Celsius minimal weniger.

Neusiedlersee, Millstätter See und Achensee verzeichnen etwas niedrigere Erwärmungsraten als der weltweite Durchschnitt. Es handelt sich hierbei jedoch um Jahresdurchschnittswerte. Laut Ministerium zeigen die Aufzeichnungen, dass vor 30 Jahren die mittleren Jahreswassertemperaturen um circa 0,6 bis 1,5 Grad kühler waren.

Für den Bodensee sind ständige Messungen zur gleichen Tageszeit seit 1951 verfügbar. Die Auswertung der Daten ergibt einen deutlichen Temperaturanstieg - richtig eingesetzt hat dieser aber erst in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Die Farbe der Seen wird intensiver

In den ersten drei Jahrzehnten der Aufzeichnungen (bis 1980) gab es genau zwei Sommer, an denen die durchschnittliche Wassertemperatur der wärmsten Jahreszeit bei mehr als 20 Grad lag. Von 2000 bis 2015 übertrafen gleich 14 Sommer diese Marke, nur zweimal lag die Wassertemperatur knapp unter 20 Grad.

Es besteht eine stark positive Korrelation zwischen Lufttemperatur und Wassertemperatur. Ist ein Sommer heiß, so wärmen sich auch die Seen auf (in der Grafik anhand der Trendlinien gut erkennbar). Doch nicht nur die Temperatur steigt, auch die Farbe der Seen ändert sich, wie eine im Vorjahr im "Scientific Journal" veröffentlichte Studie zeigt. Stehenden Gewässern mit einem jetzt schon geringen Vorkommen von Phytoplankton - dieses besteht unter anderem aus Kiesel- und Grünalgen sowie Cyanobakterien - prophezeien die Wissenschafter einen noch weiteren Rückgang dieses organischen Materials, was die blaue Färbung der Seen noch intensiver werden lässt. Ist bereits jetzt viel Phytoplankton im Wasser wie in den meisten Seen, so steigt dieser Anteil noch weiter an und die grüne Grundfarbe tritt intensiver zum Vorschein.