Wien. "Ich bin drogengefährdet", sagte Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) am Montag - "und zwar durch Menschen unter Drogeneinfluss, die sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährden." Lange Zeit war es schwierig für die Polizei, bei einer Verkehrskontrolle festzustellen, ob der Lenker unter Drogeneinfluss steht. Seit März 2017 sind neun Speichelvortestgeräte im Einsatz, die Substanzen wie THC (Cannabinoide), Opiate, Kokain und Amphetamine erkennen und analysieren können. Zudem wurden 66 Polizisten diesbezüglich speziell geschult.

Die Anzahl der Anzeigen aufgrund von Drogen am Steuer ist seitdem freilich stark gestiegen. Waren es davor durchschnittlich 1000 pro Jahr, wurden 2017 insgesamt 2192 Personen angezeigt. Heuer gab es bis Ende August bereits 1931 Anzeigen. Die am häufigsten nachgewiesene Droge war laut Innenministerium Cannabis, wie es auch dem Konsummuster der Gesellschaft entspricht. Betroffene oder all jene, die eine Blutabnahme verweigern, haben mit denselben Strafen wie bei der Verweigerung des Alkomattests oder einem Promillewert von mehr als 1,6 zu rechnen: mit 800 bis 3700 Euro Strafe und Führerscheinentzug.

Strafen wie bei Alkohol


Angelehnt an die Grenzwerte für Alkohol am Steuer diskutiert das Verkehrsministerium seit 2011 Grenzwerte für Drogen. Hofer sprach sich am Montag - von der "Wiener Zeitung" darauf angesprochen - für Nulltoleranz aus. Diese Regelung solle "so schnell wie möglich" kommen, sagte er.

Bereits ab Oktober möchte er mit einer Kampagne mit Kinospots und Online-Schaltungen mehr Bewusstsein für die Problematik schaffen. Diese soll zehn Monate lang dauern und rund eine Million Euro kosten, sagte Hofer. Das Geld komme vom Verkehrssicherheitsfonds, der aus dem bei der Reservierung eines Wunschkennzeichens entrichteten Verkehrssicherheitsbeitrag gespeist wird. Das Innenministerium (BMI) will wiederum neue und modernere Speichelvortestgeräte mit wissenschaftlicher Unterstützung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) testen, ergänzte Minister Herbert Kickl (FPÖ) bei der Pressekonferenz mit Hofer im KFV. Um welche konkrete Summe diese gekauft werden sollen, kann Kickl allerdings noch nicht sagen.

Frankreich sei bei der Drogendetektion schon weiter, sagte KFV-Direktor Othmar Thann. 2016 seien dort 22 Prozent aller Verkehrstoten bei Unfällen ums Leben gekommen, bei denen mindestens einer der Beteiligten Drogen konsumiert hatte. "Bei uns wird das nicht anders sein, wir wissen es nur nicht", so Thann. Dafür wäre laut Martin Germ, Leiter des Verkehrsdienstes im BMI, eine Tiefenanalyse erforderlich. Aktuell würden die Daten aus dem Spital mit jenen der Polizei nicht zusammengeführt.

Das KFV hat jedenfalls bei einer Dunkelfeldstudie erhoben, dass 2017 rund 177.000 Österreicher ein Fahrzeug unter Drogeneinfluss gelenkt haben. Auffällig dabei: 92 Prozent waren männlich und 70 Prozent unter 40 Jahre alt. Ein Drittel würde sich acht Stunden nach der Drogeneinnahme sorglos ans Steuer setzen.

"Das zeigt, wie wenig über die Wirkungsweise von Drogen bekannt ist", sagte Hofer. Tatsache ist, dass diese aufgrund der mannigfaltigen Palette an Drogen auch extrem unterschiedlich ist. Der Info- und Beratungsstelle "Checkit!" zum Thema Freizeitdrogen zufolge ist Cannabis zwischen zwölf Stunden und drei Wochen, Ecstasy, Kokain und Heroin etwa 24 Stunden, LSD zwölf Stunden, Speed 30 Stunden und Methadon 48 Stunden nachweisbar. Die Dauer der Nachweisbarkeit (in Urin und Blut) hängt von der Substanz, der Person, der Dosis, der Häufigkeit der Einnahme und der Einnahmeart ab.

"Wird Randgruppe bleiben"


Das bedeutet allerdings nicht, dass man diese gesamte Zeit über fahruntauglich ist. Damit ein Bluttest überhaupt durchgeführt wird, müsse ein Gutachten des Amtsarztes die Beeinträchtigung nachweisen, so Germ. Der Ablauf sei generell so, dass Polizisten bei Verdacht einen Speichelvortest machen. Erhärtet sich dadurch der Verdacht, müssen danach immer eine ärztliche Untersuchung und gegebenenfalls ein Bluttest vorgenommen werden.

Die Art der Beeinträchtigung sei ähnlich wie beim Alkohol, sagt dazu Suchtexperte Michael Musalek, Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Kalksburg. Es sei eine fatale Kombination aus Selbstüberschätzung und längerer Reaktionszeit. Er glaubt allerdings, dass Drogenlenker in Österreich eher eine Randgruppe bleiben werden, denn gesamtgesellschaftlich stünden rund 30.000 Drogenabhängigen 350.000 Alkoholabhängige gegenüber. Tatsächlich gibt es laut Germ jährlich rund 28.000 Anzeigen wegen Alkohols am Steuer.