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Wien. (dg/apa) Die Zahl der Opfer von Straftaten ist im Vorjahr leicht zurückgegangen. Das zeigt der aktuelle Sicherheitsbericht des Justizministeriums, der am Mittwoch dem Ministerrat vorgelegt wird. Demnach sank die Opferzahl um 2,94 Prozent auf 286.793. Auch die Verfahrensdauer war 2017 mit durchschnittlich 1,1 Monaten auf einem Tiefststand.

Ebenfalls leicht rückläufig ist die Anzahl der eingebrachten Strafanträge und Anzeigen, nämlich mit 62.216. Das sind um über 1200 Fälle weniger als noch im Jahr davor. Die Zahlen weisen in eine ähnliche Richtung wie jene im Kriminalbericht des Innenressorts, wonach die angezeigten Straftaten im ersten Halbjahr heuer deutlich rückläufig waren.

Die österreichischen Gerichte verurteilten überwiegend wegen Vermögensdelikten (31 Prozent). Zu 17,1 Prozent wurde wegen Delikten gegen Leib und Leben verurteilt, zu 18,5 Prozent wegen Suchtmitteldelikten und zu 2,4 Prozent wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung.

Von den 2013 verurteilten oder entlassenen 29.570 Personen wurden über den Beobachtungszeitraum von vier Jahren 9618 Personen wiederverurteilt. Das entspricht einer Wiederverurteilungsquote von 32,5 Prozent.

57,7 Prozent der von den heimischen Gerichten verurteilten Personen waren österreichische Staatsbürger. 42,3 Prozent waren es nicht. Und auch bei den Insassen ist die Zahl der ausländischen Inhaftierten gestiegen. Mit 8945 inhaftierten Personen gab es 2017 im Vergleich zum Vorjahr beinahe keine Veränderung. Der Anteil der Ausländer an allen Gefangenen stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an: 2017 befanden sich 4837 Nichtösterreicher in den Justizanstalten. Ihr Anteil an allen inhaftierten Personen in Österreich verdoppelte sich gegenüber den 1990er Jahren und erreichte wie bereits im Vorjahr mehr als 50 Prozent. Der Anteil der Frauen an inhaftierten Personen betrug 5,9 Prozent. 143 Personen waren unter 18 Jahre (1,6 Prozent).

Migranten überrepräsentiert


Der Anteil an Nichtösterreichern an der Gesamtbevölkerung in Österreich beträgt gut 16 Prozent. Dass diese Gruppe in der Verurteilten-Statistik so stark überrepräsentiert ist, hat mehrere Gründe. Die Herkunft genügt als Erklärung nicht, meint der Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl, Direktor des Wiener Zentrums für gesellschaftliche Sicherheit. Männer zwischen 15 und 25 ohne Ausbildung und ohne Perspektiven sind besonders anfällig für Straftaten. Deren Anteil wiederum ist unter den Nichtösterreichern überdurchschnittlich hoch.

Diese Männer sind bei Drogen- oder Gewaltdelikten häufiger vertreten. Bei einem Teil der Verurteilungen wegen Gewaltdelikten handelt es sich zum Beispiel um Schlägereien zwischen verfeindeten Klans oder ethnischen Gruppen. "Die Wahrscheinlichkeit, in Österreich zu einer Haftstrafe verurteilt zu werden, ist für Ausländer höher", sagt Kreissl. Das beginne schon bei der U-Haft, die wegen der Fluchtgefahr deutlich öfter über ausländische Verdächtige verhängt werde. Internationale Studien zeigen zudem, dass Angehörige einer Minderheit öfter und härter verurteilt würden.

Der prekäre soziale Status macht anfälliger für Straftaten und davon sind Ausländer hierzulande häufiger betroffen als Inländer. Gleichzeitig könne sich diese Gruppe oft keine gute Verteidigung leisten, Sprachprobleme führen dazu, dass seltener Vergleiche oder Diversionen geschlossen werden, meint Kreissl. Letztere nahmen übrigens zu. Die Zahl der Diversionsangebote in Strafverfahren insgesamt ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent auf 100 Abschlüsse gestiegen.

Mafia in Österreich


Der Sicherheitsbericht widmet sich in einem eigenen Kapitel den Strukturen und dem Betätigungsfeld des organisierten Verbrechens in Österreich. So expandiert laut Bericht die italienische Mafia nach Österreich. Dabei handelt es sich zumeist um Personen, die der Strafverfolgung in Italien entkommen wollen. "Die relevanten Personen leben in Österreich zumeist unauffällig, sind zum Teil über die italienische Gastronomie präsent und pflegen gute Kontakte zum öffentlichen Leben wie Vertretern von Wirtschaft, Behörden und Politik", heißt es in dem vom Innenministerium verfassten Teil des Sicherheitsberichts.

Die sogenannte Balkan-Mafia wiederum tritt im Drogen- und Waffenschmuggel in Erscheinung. Aber auch im Erpressen von Schutzgeld, das meist Lokalbesitzer aus den Balkanländern betrifft. Für die russische Mafia wiederum ist Österreich vor allem als Rückzugsort und neutraler Boden für Verhandlungen relevant.