Klagenfurt. Die Lage in den Kärntner Katastrophengebieten hat sich in der Nacht auf Freitag nicht verschärft, bleibt aber angespannt. Befürchtete Murenabgänge sind ausgeblieben. Die Aufräumarbeiten sollen am Freitag fortgesetzt werden. Im am stärksten betroffenen Bezirk Hermagor werden entlang der Gail weiter Dämme repariert, die Straßen ins Lesachtal blieben weiterhin für den allgemeinen Verkehr gesperrt.

Dort hat es am Freitag einen massiven Steinschlag gegeben, der um ein Haar 40 Soldaten des Bundesheeres getroffen hätte. Wie Bürgermeister Johann Windbichler bestätigte, hörten die Soldaten das Donnern der sich lösenden Felsen und konnten sich gerade noch in Sicherheit bringen. Ein Bundesheer-Fahrzeug wurde schwer getroffen.

"Das Bundesheer arbeitete sich in Richtung Maria Luggau vor zur Abbruchstelle der Bundesstraße", erklärte Windbichler. Am Hang oberhalb lösten sich die riesigen Felsblöcke. "Es war sehr kritisch. Es hätte Tote geben können." Nach dem Vorfall wurden die Einsatzkräfte von der Stelle abgezogen, auch die Feuerwehrleute die von der Osttiroler Seite her an der Wiederherstellung der Verbindung arbeiteten. "Der Steinschlag ist die nächste große Gefahr, die wir jetzt haben. Das tritt jetzt vermehrt auf," so Windbichler weiter. Die Hänge seien aufgeweicht, die Bäume umgestürzt. Auch Regen habe wieder eingesetzt, berichtet der Bürgermeister. "Die Hänge sind in Bewegung." Nun wurde der Landesgeologe eingeflogen, um die Situation einer neuen Bewertung zu unterziehen.

Die Stimmung in der Bevölkerung im seit bald eine Woche von der Außenwelt abgeschnittenen Tal sei angespannt aber ruhig, sagte Windbichler. "Die Lesachtaler sind ja gewohnt, dass man immer wieder eingeschlossen ist im Tal. Es ist eine angespannte Ruhe, keine Hysterie - solange wir keinen Personenschaden haben, das ist das Wichtigste. Die Leute bleiben so gut es geht daheim." Er selbst kenne Katastrophensituationen aus seiner Zeit als Feuerwehrkommandant, sagte der Bürgermeister. "Man muss einfach Schritt für Schritt die Prioritäten abarbeiten."

Bei der Stromversorgung gehe es mittlerweile weiter. "Wir haben jetzt eine Inselversorgung mit Notstromaggregaten." Der Stromversorger Kelag sei massiv im Einsatz, immer wieder werden Masten angeliefert, um zerstörte Exemplare zu ersetzen. Windbichler rechnet damit, dass es noch drei, vier Tage dauern werde, bis alle im Lesachtal wieder Elektrizität haben - sofern nicht wieder etwas passiere. Die enormen Schäden im Tal machen ihm aber Sorgen über die nächsten Tage hinaus und der Bürgermeister appelliert an die übergeordneten Behörden, eine Finanzierung für den Wiederaufbau im Tal aufzustellen.

 Dammstabilisierung

"Ich hoffe, dass der Regen nicht viel stärker wird", sagte der Bezirkshauptmann von Hermagor, Heinz Pansi, am Freitag in der Früh. "Wir versuchen, unser Programm weiter fortzusetzen." Entlang der Gail sollen die Sicherungsmaßnahmen intensiviert werden. Mit Blackhawk-Hubschraubern und der Unterstützung von Baufirmen werden Steine angeliefert, um die rund 200 Meter fehlenden Damms bei Waidegg oberhalb von Rattendorf provisorisch zu wieder herzurichten und den Bereich zu stabilisieren. Pansi: "Niemand gewährleistet uns, dass es nicht wieder Regen in diesem Ausmaß gibt."

Laut Pansi soll am Freitag auch die gesperrte Straße über den Plöckenpass in Angriff genommen werden. Neue Dammbrüche oder Muren wurden zunächst keine gemeldet. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass es in abgelegeneren Gebieten zusätzliche Problemlagen gibt.

Im Bezirk Spittal wurde die Zivilschutzwarnung für die Mölltaler Gemeinde Mörtschach aufgehoben. "Es ist alles ruhig geblieben", sagte Bezirkshauptmann Klaus Brandner. Allerdings werde ab Mittag wieder Regen erwartet. Die Straße ins Mölltal, die am Donnerstag abschnittsweise gesperrt worden war, war am Freitag wieder befahrbar, teilweise allerdings nur einspurig. Die Aufräumarbeiten der Einsatzkräfte konzentrierten sich auf den Bezirk Hermagor, im Bezirk Spittal waren aber Aufklärungsflüge mit Forstleuten und Geologen geplant.