MfM kümmert sich immer punktuell um ein rurales Gebiet und errichtet dort eine Art Infrastruktur. Das hat aber auch einen Lernprozess bedeutet.

Vor 37 Jahren hat sich Karlheinz Böhm um jene Binnenflüchtlinge gekümmert, die vor der Gewalt mit Somalia und vor der Dürre im eigenen Gebiet geflohen sind. Böhm hat der äthiopischen Regierung damals schon erklärt, er will es anders machen als viele NGOs, die den Flüchtlingen in der Zeltstadt einfach jeden Tag eine Essensration geben. Sondern er will sie zur Selbsthilfe befähigen. Er konnte sie auf dem Ackerland einer ehemaligen staatlichen Farm sesshaft machen. Viele waren Halbnomaden, die sich an den Ackerbau erst gewöhnen mussten. Dazu brauchte es eine Wasserversorgung. Zusätzlich musste man sich um medizinische Versorgung und Schulen kümmern. Erfolgreich: Heute haben die meisten Kinder von diesen Menschen eine universitäre Ausbildung abgeschlossen und sind Ingenieure und Ärzte. Böhm hat dann gesehen, dass die Probleme in diesem Tal der Flüchtlinge nicht einzigartig sind, sondern überall im ruralen Teil Äthiopiens vorkommen. So ist dann der integrierte landwirtschaftliche Projektansatz entstanden, wo wir eben in extrem benachteiligte Regionen hineingehen. Die Menschen, die ihre Dörfer aus Mangel an Perspektiven verlassen haben, kehren übrigens oft zurück, wenn sie hören, dass wir jetzt in der Region sind. Damals haben wir 2000 Menschen unterstützt. Heute sind es mehr als 5,5 Millionen.

Heute existieren wieder Camps mit Binnenflüchtlingen, vor allem in der Region Gedeo im Süden Äthiopiens, wo eine Million Menschen auf der Flucht ist. Zusätzlich gibt es natürlich die Lager mit somalischen Flüchtlingen an den Grenzen. Kann sich MfM vorstellen, hier tätig zu werden?

Im Süden ist ein ethnischer Konflikt entbrannt. MfM hat meines Erachtens nichts mit solchen politischen Krisen zu tun. Um die Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia müssen sich die Vereinten Nationen kümmern. Man geht ja davon aus, dass sie wieder in ihre Länder zurückkehren, wenn sich die Situation dort beruhigt.