Wien. Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Zeit für einen Jahresrückblick.

  • Weltpolitik

Kaum ein anderes Thema hat uns 2018 so oft begleitet wie Migration. In den USA versucht Donald Trump, eine (noch größere) Mauer zu Mexiko zu errichten. Im Mittelmeer verändern sich monatlich die Routen, über die Menschen nach Europa kommen wollen. Die Vereinten Nationen unterzeichnen im Dezember den heftig diskutierten Migrationspakt. Einige Länder, darunter Bulgarien, Ungarn und auch Österreich, lehnen das Vertragswerk ab.

Auch die USA traten dem "Global Compact on Migration" nicht bei. US-Präsident Trump verfolgt wie bei so vielem eine ganz eigene Agenda, die zwischen Isolationismus und Nationalismus schwingt. Welche Rolle Trump in der neuen Weltordnung spielt, was die Europäische Union verwundbar macht und wie es zu den unterschiedlichen Sichtweisen in Sachen Migration zwischen Ost und West kommt, erklärt der renommierte Politologe und Politikberater Ivan Krastev im Interview.

Was US-Präsident Donald Trump denkt, posaunt er bei Twitter hinaus. So auch zum Thema Nato: "NATO countries must pay MORE, the United States must pay LESS. Very Unfair!" Das Verteidigungsbündnis, entstanden im Kalten Krieg, spielt für Trump keine große Rolle. Im Gegenteil, Trump will sich immer mehr aus internationalen Bündnissen zurückziehen. Doch was heißt das für Europa? Kann eine eigene EU-Verteidigung das Militärbündnis ersetzen?

Eine 1200 Kilometer lange Straße, die nie gebaut wurde. Tausende Decken und Schubkarren, die niemand gebraucht hat. Millionengelder, die in irgendwo versickert sind. "WZ"-Korrespondentin Simone Schlindwein berichtet über einen brisanten Fall aus Uganda, wo UNHCR-Gelder zweckentfremdet wurden.

  • Europa

Raus aus der EU oder doch drinbleiben? Die öffentliche Meinung in Großbritannien ist gespalten. Vor zweieinhalb Jahren stimmten die Briten über den Verbleib in der Union ab. Sie votierten für den Brexit. Die Verhandlungen mit EU-Vertretern dauern an. Niemand weiß, was am 29. März 2019 passiert, wenn der Austritt rechtskräftig wird. EU-kritisch war man auf der Insel schon immer, doch die Ablehnung wurzelt noch tiefer. Außenpolitik-Redakteurin Siobhán Geets mit einer Geschichte über den Bedeutungsverlust Großbritanniens.

Syrien, Afghanistan, Nahost, Jemen: Viele Krisenherde dauern inzwischen Jahre, sie tauchen täglich in den Nachrichten auf. Manche Konflikte aber werden zu "blinden Flecken". Über sie wird nicht mehr oder kaum noch berichtet, obwohl sie noch nicht ausgestanden sind. Der Konflikt in der Ostukraine ist einer davon. Außenpolitik-Chef Thomas Seifert hat die Region besucht, mit Soldaten und Menschen an der Front gesprochen.

  • Österreich

Das FPÖ-geführte Innenministerium verschärft den Ton gegenüber Asylwerbern. Abschiebungen werden forciert, und wie das Beispiel der Familie Tikaev zeigt, auch bei gut integrierten Menschen. Michael Ortner und Matthias Winterer haben die Familie besucht, kurz bevor sie abgeschoben wurde.

Trotz Gegenwind aus ÖVP-geführten Bundesländern und der Wirtschaftskammer wird auch bei Asylwerbern, die eine Lehre absolvieren, keine Ausnahme gemacht. Ein Fall sorgte dabei für großes Aufsehen. Die FPÖ warf einem Lehrling aus Oberösterreich vor, Sympathisant einer Miliz zu sein, die von der Terrororganisation Hisbollah unterstützt wird. Sie zeigte allerdings die falsche Person an, wie Innenpolitik-Redakteur Jan Michael Marchart aufdeckte. Der Fall könnte auch rechtliche Konsequenzen haben.

Auch das Verhältnis zwischen Politik und Medien ist rauer geworden. Vizekanzler Heinz-Christian Strache spricht von "Systemmedien", die FPÖ von "Medienhatz" oder "linker Meinungsdiktatur". Über die Gegnerschaft der FPÖ zu den klassischen Medien schreibt Jan Michael Marchart in seinem Leitartikel "Die Grenze ist überschritten".

Innenpolitisch Wellen geschlagen hat heuer die Affäre um das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Ausgangspunkt war eine umstrittene Hausdurchsuchung im Februar, bei der sensible Akten beschlagnahmt wurde. Ein Untersuchungsausschuss versucht seit April, Licht in die Causa zu bringen, an der Innenministerium, Justizministerium, BVT und Polizeibehörden beteiligt waren. Innenpolitik-Redakteur Werner Reisinger verfolgte die Affäre und den U-Ausschuss von Anbeginn an und bietet Einblicke in das komplexe Geschehen.

Besonders beschäftigt hat unsere Leser das Urteil gegen die ehemalige Grünen-Abgeordnete Sigrid Maurer. Ihr wurden obszöne Nachrichten auf Facebook geschickt. Maurer wehrt sich, indem sie die Nachrichten öffentlich macht. Der Verfasser sei der Inhaber eines Biergeschäfts gewesen. Dieser erhob Anklage, Maurer wurde verurteilt. Der Fall beschäftigt die Politik und wirft die Frage auf, wie mit Hass im Netz umgegangen werden soll. In ihrem Leitartikel dazu schreibt Innenpolitik-Redakteurin Marina Delcheva, dass der Rechtsstaat nicht immer gerecht ist.

  • Gesellschaft

Schächten, so der niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusl, sei aus Sicht des Tierschutzes generell abzulehnen. Der freiheitliche Politiker, der Ende des Jahres wegen der Flüchtlingsunterkunft Drasenhofen in die Schlagzeilen gerät, wollte die jüdische rituelle Schlachtung eindämmen. Ein Angriff auf das jüdische Leben und die Religionsfreiheit, wie Alexia Weiss in ihrem Blogbeitrag schreibt.

Ein dunkelhäutiger Rapper trifft seine Freunde in einem Wiener Park. Sie reden über neue Songs, scherzen, arbeiten. Dann erscheint die Polizei und macht eine Routinekontrolle. Die Situation eskaliert. Die Begegnung geht schnell viral, Rassismusvorwürfe stehen im Raum, der Begriff des "Racial Profiling" macht die Runde. Gemeint ist damit, dass der Rapper und seine Freunde aufgrund ihrer Hautfarbe von der Polizei kontrolliert wurden. Die Polizei rechtfertigt ihren Einsatz. Online-Redakteurin Eva Zelechowski hat sich den Fall angesehen und mit dem betroffenen Rapper gesprochen.

Was in Gerichtssälen verhandelt wird, spiegelt immer auch die Abgründe der Menschen. So auch die Geschichte eines 45-jährigen Kredithais, der von verwzeifelten Menschen Wucherzinsen verlangte. Viele von ihnen waren spiel- oder drogensüchtig oder standen kurz vor der Zwangsdelogierung.

2018 war auch das Jahr der Republik. Sie feierte 100-Jahr-Jubiläum. Wir, die Redakteure der "Wiener Zeitung", haben uns gefragt, wo sich die Republik manifestiert. Es ist der Heldenplatz. Der Heldenplatz ist der Hauptplatz der Republik. Wir sind mit verschiedenen Persönlichkeiten über den Heldenplatz gegangen. Sie haben uns ihre Geschichten erzählt. Entstanden ist daraus eine multimediale Scrollstory.

Einer, der den "Anschluss" Österreichs noch miterlebt hat, ist Karl Knell. Damals war er 17. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erzählt der heute 97-Jährige, warum er den Parolen von "Arbeit und Brot" geglaubt hat.

  • Wirtschaft

"An die erste Nacht auf der Straße erinnern sich alle. Das erste Mal, wenn man wirklich nirgendwo mehr hingehen kann, weil die eigene Wohnung schon weg ist." So beginnt Marina Delchevas Geschichte über Wohnungslose. Die Zahl derer, die nach der Wirtschaftskrise 2008 auf der Straße gelandet sind, ist um 41 Prozent gestiegen. Oft sind ehemalige Selbstständige betroffen.

Eine Abrechung mit dem ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis ist das Interview mit Anna Diamantopoulou. Die ehemalige Politikerin der sozialdemokratischen Partei Pasok war von 1999 bis 2004 EU-Kommissarin für Beschäftigung. Warum Varoufakis die Griechen 100 Milliarden Euro gekostet hat, hat sie Außenpolitik-Redakteurin Konstanze Walther beim Forum Alpbach erklärt.

  • Wien

In Wien ging die Ära Michael Häupl zu Ende. Nach 24 Jahren an der Spitze des Rathauses verabschiedet sich der mächtige SPÖ-Politiker 2018 von seinem Amt. Seine Amtszeit war vom Fiaker-Image und Anti-FPÖ-Haltung geprägt. Doch für was steht die SPÖ noch? Wien-Redakteur Bernd Vasari zieht Bilanz und sucht Antworten auf diese Frage.

Seit Jahren steigen in Wien die Mieten. Eine Novelle in der Bauordnung soll Wohnen wieder leistbar machen. In Berlin geht man ähnliche Wege. Dort kauft der Baustadtrat Florian Schmidt Investoren Immobilien vor der Nase weg. Matthias Winterer hat sich angesehen, ob das auch eine Idee für Wien wäre.

Passend zum Thema Bauen und Wohnen ist das Interview mit Dietmar Steiner. Der Architekturpublizist hat das Architekturzentrum Wien aufgebaut und war jahrelang Chefredakteur von "domus" in Mailand. Er spricht sich  gegen das Bauen aus – zumindest in seiner derzeitigen umweltschädigenden Form.

Vielleicht haben Sie auch schon mal einen Zettel an der Windschutzscheibe kleben gehabt: "Darf ich ihr Auto kaufen?" Bernd Vasari hat die Spur verfolgt und landete auf Westafrikas größtem Autohandelsplatz in Hagenbrunn. Eine Geschichte, die nicht nur über ein Geschäftsmodell erzählt, sondern wie sich jemand aus Nigeria eine Existenz in Österreich aufbaut.

Zu Wien gehört das Wiener Schnitzel. Und wo bekommt man es? Richtig, im Beisl. Doch die Wirtshäuser werden rar. Sie sterben langsam aus. Auch Heurige gibt es immer weniger. Die klassischen Wirtshäuser weichen Ketten wie McDonalds und Vapiano. Die Systemgastronomie boomt. Wien-Redakteur Daniel Bischof hat recherchiert, woran das liegt.

  • Kultur

Heimatstolz, Tracht, Österreichfahnen: Kategorien, die bei einem Konzert von Andreas Gabalier nicht fehlen dürfen. In der Wiener Stadthalle feierte der heimische Schlagerpopstar seinen Tourabschluss. "Extra"-Redakteur Andreas Rauschal war mit dabei.

Italien, Polen, Deutschland, Ungarn, Österreich: Die Liste der Länder ist lang, in denen Rechtspopulisten auf dem Vormarsch sind oder bereits in der Regierung sitzen. Zeit, dagegen etwas zu unternehmen. Auch auf den Opernbühnen. Die Oper "Die Weiden", die im Dezember an der Wiener Staatsoper uraufgeführt wurde, ist genau auf diesen Zug aufgesprungen. Doch sie "scheitert an ihrer eigenen Plumpheit", so das Fazit von Feuilleton-Redakteur Christoph Irrgeher.

Den Fernsehsendern haben Streamingportale wie Netflix schon lange den Kampf angesagt, nun nimmt man es auch mit den großen Leinwänden auf. Für seinen Film "Roma" erhielt Regisseur Alfonso Cuaron beim Filmfestival von Venedig den Goldenen Löwen - als erster Netflix-Film überhaupt. Eine Woche vor seiner Premiere auf der Streamingplattform lief der Film weltweit in den Kinos. Film-Redakteur Matthias Greuling hat ihn sich angesehen.

  • Wissenschaft

Man beginnt zu Zittern, die Bewegungen werden langsam und steif. Im Körper sterben Nervenzellen ab. Die Diagnose für rund 20.000 Österreicher: Parkinson. Die Krankheit schreitet voran, weil wir immer älter werden. Auch Alzheimerfälle werden mehr. Therapien sind zwar in Sicht, aber noch in weiter Ferne. Ein Beitrag von Alexandra Grass zu unserem "Gehirn"-Schwerpunkt.

Ob Ärzte, Piloten, Journalisten oder Fließbandarbeiter: Viele Berufsgruppen sind Burnout-gefährdet. Doch was wissen wir eigentlich über die Krankheit? Wie erkennt man sie und wie kann man sie verhindern? Online-Chef Franz Zauner hat sich mit der Psychotherapeutin Ute Andorfer über das vieldiskutierte Thema unterhalten.

Was Sie schon immer über Sex wissen wollen – hier, bei der Sexualtherapeutin Sandra Gathmann, erfahren Sie’s.

  • Sport

Grün-weiß oder violett? An dieser Frage scheiden sich die Fußballgeister in Wien. Beim letzten Derby zwischen Rapid und Austria im Dezember hat die Polizei 1338 Rapid-Fans bei minus 2 Grad stundenlang auf einem Trampelpfad festgehalten. Vorher sei es zu gefährlichem Fehlverhalten gekommen, rechtfertigt die Polizei den Einsatz. Doch was ist wirklich passiert? Die Geschehnisse rund um den Polizeikessel werfen Fragen auf, was das Sicherheitskonzept betrifft.

Historisch war das Ausscheiden Deutschlands bei der Fußball-WM im Sommer in Russland. Die deutsche Elf musste bereits in der Vorrunde wieder die Koffer packen. Eine Schmach für den damals amtierenden Weltmeister.

Über den zähen Kampf des Sumo-Images schreibt Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk. Die altehrwürdige japanische Sportart schafft es vermutlich nicht häufig in die heimische Berichterstattung. Doch Japans Nationalsport steckt in der Krise. Absprachen, Skandale, Schlägereien und sexuelle Übergiffe haben dem Image von Sumo geschadet.