So wird sich Afrika, wo es jetzt schon am heißesten ist, aufgrund der geografischen Gegebenheiten rund 1,5 Mal schneller erwärmen als die anderen Erdteile. Davon am stärksten betroffen werden laut den IPCC-Berichten neben dem südlichen Afrika dabei Westafrika und die Sahelzone sein, wo die Temperaturen bis 2050 selbst unter der Annahme einer baldigen und entschlossenen Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen um bis zu 1 Grad steigen. Sollte der CO2-Ausstoß ungebremst im jetzigen Tempo weitergehen, sagen die Klimamodelle sogar einen Anstieg von mehr als 2 Grad voraus.

Anpassung mit Grenzen

Vor allem im Sahel, schon jetzt Afrikas Armenhaus, dürfte ein solcher Temperaturanstieg in Kombination mit den damit einhergehenden Dürreperioden es zunehmend schwieriger machen, dem Boden noch Erträge abzuringen. Denn irgendwann stoßen auch die zahlreichen derzeit diskutierten Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel - etwa die Einführung von Frühwarnsystemen, der Umstieg auf andere Getreidesorten oder Wassereffizienzprogramme - unweigerlich an ihre Grenzen. "Wir werden uns nicht überall anpassen können", sagt Reinhard Mechler, Klimafolgenforscher am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg und Mitautor des jüngsten IPCC-Sonderberichts. "Bewässerung etwa wird in vielen Fällen nicht möglich sein."

Der Klimaforscher Robert Mendelsohn geht auf Basis mehrerer komplexer Modellrechnungen sogar davon aus, dass Tschad und Niger in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts so starke Verluste an landwirtschaftlichen Flächen erleiden werden, dass bis zum Jahr 2100 nahezu der ganze Ackerbausektor verschwunden sein könnte. Massive Ernteausfälle dürfte es aber auch im südlichen Afrika geben. So werden die Mais-Erträge in Simbabwe und Südafrika laut den Prognosen des IPCC im Jahr 2050 um 30 Prozent niedriger sein als heute.

Die Konsequenzen eines substanziellen Rückgangs der landwirtschaftlichen Produktion wären in jedem Fall weitreichend. Denn ein Ausbleiben der Ernte würde in den betroffenen Ländern nicht nur die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen gefährden, sondern auch zu erheblichen Verschiebungen in vielen anderen Bereichen führen. So trägt die Landwirtschaft derzeit zwar nur knapp 15 Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt Afrikas bei, doch noch immer arbeiten fast zwei Drittel der Afrikaner in diesem Sektor. Schon jetzt kommen die Staaten Afrikas kaum noch damit nach, neue Jobs für die heranwachsenden Generationen zu schaffen. Ein Wegbrechen vieler Agrarjobs wäre für Afrika, dessen Bevölkerung sich bis zum Jahr 2050 von derzeit 1,2 Milliarden auf 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln soll, daher nur schwer verkraftbar.

Dass die daraus entstehenden Verteilkonflikte nicht immer friedlich gelöst werden, liegt dabei auf der Hand. Zwar lassen sich die Kriege und innerstaatlichen Krisen des Jahres 2050 nicht seriös prognostizieren, doch einige künftige Brennpunkte wie die Sahelzone oder das bevölkerungsreiche Nil-Delta scheinen bereits jetzt festzustehen. Weitgehend einig sind sich die Wissenschafter auch darüber, dass sich gewisse Konfliktmuster, bei denen es vor allem um den Zugang zu fruchtbarem Land und sauberem Wasser geht, durch den voranschreitenden Klimawandel noch weiter verstärken werden. So fordern die auch von ethnischen Spannungen getragenen Konflikte zwischen sesshaften Ackerbauern und nomadisierenden Viehzüchtern schon jetzt zehntausende Tote pro Jahr.