New York. (czar/apa) Als Kindersoldaten rekrutiert oder entführt, als menschliche Schutzschilde missbraucht, zwangsverheiratet - auch in diesem Jahr waren Mädchen und Buben in Kriegs- und Konfliktgebieten extremer Gewalt ausgesetzt. Die Verantwortlichen werden fast nie zur Rechenschaft gezogen. Die Bedrohung der Kinder nehme weiterhin zu. Zu diesem Schluss kommt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) in seinem aktuellen Bericht.

Zu lange hätten die Konfliktparteien Gräueltaten begangen, ohne dafür bestraft zu werden, erklärte Manuel Fontaine, Leiter der Nothilfe-Programme von Unicef, via Aussendung. Die Weltgemeinschaft habe auch in diesem Jahr dabei versagt, Kinder in Konfliktgebieten zu schützen. Wenig nutzten da die Aufrufe, Angriffe auf zivile Infrastruktur - einschließlich Schulen, Krankenhäuser und Wasserversorgungsanlagen - zu unterlassen.

In den Krieg statt in die Schule

Dass solche Einrichtungen attackiert oder für militärische Zwecke verwendet werden, kommt etwa im Jemen oft vor. Dass Kindern dadurch ihr Recht auf Ausbildung und Zugang zu Gesundheitsversorgung genommen werde, verschärfe laut Unicef die Krise in dem Land weiter, in dem schon jetzt alle zehn Minuten ein Kind an einer Krankheit sterbe, die vermeidbar wäre.

Bewaffnete Konflikte gefährden auch in anderen Regionen die Schulbildung hunderttausender Kinder. Allein im Grenzgebiet zwischen Mali, Burkina Faso und Niger blieben wegen der Gewaltausbrüche knapp 1500 Schulen geschlossen.

Doch auch in Europa müssen Mädchen und Buben unter prekären Verhältnissen lernen, in provisorischen Einrichtungen und in einem Umfeld, wo immer wieder geschossen wird. In der Ukraine seien davon an die 700.000 Kinder betroffen, heißt es in dem Unicef-Dokument.

In Somalia wiederum geht es in den Krieg statt ins Klassenzimmer. Mehr als 1800 Kinder seien als Soldaten rekrutiert, fast 1300 Kinder entführt worden.

Im Nordosten Nigerias nehmen bewaffnete Gruppen Mädchen ins Visier, die entführt, vergewaltigt und gezwungen werden, Kämpfer zu heiraten oder Bombenattentate zu begehen.

Kämpfe zwischen rivalisierenden ethnischen Gruppen und mit Regierungstruppen haben ebenso in verschiedenen Landesteilen der Demokratischen Republik Kongo "verheerende Auswirkungen" auf Kinder. Auch dort werden Mädchen und Buben zwangsrekrutiert und erleiden sexuelle Gewalt. Die Instabilität im Land erschwere außerdem das Vorgehen gegen die Ebola-Epidemie.

Zahl der Toten gewachsen

Die Zahl der Toten in den Konfliktgebieten sinke keineswegs. Im Gegenteil: In Syrien haben die Vereinten Nationen allein von Jänner bis September die Tötung von 870 Kindern verifiziert. Dies sei die höchste Zahl in den ersten neun Monaten eines Jahres seit Konfliktbeginn. In Afghanistan seien im selben Zeitraum rund 5000 Kinder und Jugendliche getötet oder verletzt worden, so viele wie im gesamten Vorjahr. 89 Prozent der zivilen Opfer von Minen und Blindgängern seien Kinder.

Auch aus Myanmar erhalten die Vereinten Nationen Berichte über Verletzungen der Menschenrechte von Rohingya, einschließlich mutmaßlicher Tötungen, willkürlicher Verhaftungen und Verschwinden von Menschen. Zudem seien Rechte auf Bewegungsfreiheit und Zugang zu Bildung sowie Gesundheitsversorgung für Rohingya in Rakhine eingeschränkt.

So wird der Unicef-Appell, Kriege zu vermeiden und Konflikte zu beenden, im nächsten Jahr aktuell bleiben. "Aber auch wenn Kriege weitergehen, dürfen wir Angriffe gegen Kinder niemals akzeptieren", meint Fontane.