Da hatte die Geschichte aber längst Fahrt aufgenommen - vor allem, weil die US-ägyptische Journalistin Mona Eltahawy ihre Tweets übersetzt und an ihre mehr als 300.000 Follower weitergeleitet hatte. Unter dem Hashtag #SaveRahaf ("Rettet Rahaf") stiegen auch die BBC und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ein, was zusätzliche Aufmerksamkeit brachte. Auch der deutsche Botschafter in Bangkok, Georg Schmidt, twitterte: "Wir teilen die große Sorge um Rahaf Mohammed".

Als die Lage immer bedrohlicher wurde, war es der Asien-Experte von HRW, Phil Robertson, der Qunun empfahl, keineswegs ihr Smartphone aus der Hand zu geben. Das war vermutlich der entscheidende Tipp. Zusammen mit einer australischen Journalistin, die mit ihr im Zimmer war, und zwei Freundinnen von außerhalb berichtete Qunun praktisch in Echtzeit, wie es ihr ging.

"Twitter war das perfekte Werkzeug"

Auf Twitter wurde dies millionenfach verfolgt. Auf dem Flughafen warteten Dutzende Kameras auf den Ausgang des Dramas. Schließlich erklärte Thailands Einwanderungsbehörde, auf die Abschiebung zu verzichten. Und das UNO-Flüchtlingshilfswerk hielt ihre Geschichte für glaubwürdig genug, um ihr Flüchtlingsstatus zu geben: Solange in Saudi-Arabien ihre Freiheit und ihr Leben bedroht sind, muss sie nicht zurück. Andere saudi-arabische Frauen, die in den letzten Jahren ins Ausland geflohen waren, hatten nicht so viel Glück.

Menschenrechtler Robertson meint, dass die Twitter-Kampagne das alles erst möglich gemacht habe. "Das hat die Geschichte in die internationalen Nachrichten gebracht und die Aufmerksamkeit der Politik darauf gelenkt. Twitter war das perfekte Werkzeug." So ähnlich sieht dies offenbar auch die andere Seite. Der saudische Geschäftsträger in Bangkok, Abdullah el-Shuaibi, meinte in einem Moment seltener Offenheit: "Man hätte ihr besser das Handy abgenommen als den Reisepass. Twitter hat alles verändert."

Die junge Frau selbst schrieb in einem ihrer jüngsten Tweets: "Hey, ich bin glücklich." Daneben stellte sie zwei Icons: ein rotes Herz und die gefalteten Hände. So drückt man in Thailand seinen Dank aus.

Auf Twitter bekam sie allerdings nicht nur Lob und Unterstützung, sondern es gab auch wüste Beschimpfungen, bis hin zu Morddrohungen. Am Freitag war ihr Konto zwischenzeitlich nicht mehr erreichbar - aus ihrer Umgebung hieß es, die 18-Jährige habe es selbst deaktiviert.