Abu Dhabi/Vatikanstadt. (leg) Der Kontrast hätte größer nicht sein können: In einem schwarzen Kleinwagen, einem Kia, fuhr Papst Franziskus am Montag vor dem Palast des Scheichs von Abu Dhabi vor - einem Palast, der, aus weißem Marmor erbaut, mit seinen dicken Teppichen und goldenen Kronleuchtern jenen majestätischen Pomp ausstrahlt, der in arabischen Golfstaaten für Herrscher zum guten Ton gehört - und den der Papst so verabscheut. Das Bemühen des Oberhauptes der katholischen Kirche um ostentative Bescheidenheit wurde von den Gastgebern, den Vereinigten Arabischen Emiraten, leicht durchkreuzt: Das Auto des Pontifex wurde von Pferden eskortiert. Es gab Salutschüsse zur Begrüßung, und eine Fliegerstaffel sprühte Rauch in den gelb-weißen Farben des Vatikans in die Luft.

Es ist ein historischer Besuch, den Franziskus den Emiraten abstattet. Zum ersten Mal überhaupt reist ein Papst auf die Arabische Halbinsel, die Wiege des Islams - an sich bereits etwas Außergewöhnliches. Erstaunlich ist auch, wie dieser in Zeiten zunehmender religionspolitischer Spannungen hochpolitische Besuch abläuft. Er beschränkt sich nämlich nicht auf Hinterzimmerdiplomatie oder gut organisierte Dialogveranstaltungen in salbungsvollem Ton. In einem Sportstadion findet am Dienstag auch eine Papstmesse mit über 100.000 Menschen statt. Die Gläubigen, die daran teilnehmen - hauptsächlich katholische Arbeitsmigranten aus Asien, etwa aus den Philippinen oder Indien -, haben in dem streng muslimischen Land arbeitsfrei erhalten.

Auf der Arabischen Halbinsel ist das mehr als ungewöhnlich: Im Nachbarland Saudi-Arabien etwa, dessen Staatsdoktrin der streng islamische Wahhabismus ist, kann schon der Besitz einer Bibel zu Problemen führen, an den Bau von Kirchen ist nicht zu denken. In den Emiraten ist das anders: Katholiken dürfen ihren Glauben - wenn auch nur eingeschränkt - praktizieren und Kirchen errichten. Dementsprechend lobte Franziskus vor seinem Besuch die Religionspolitik der Emirate als ein "Modell von Koexistenz" - auch wenn von echter Religionsfreiheit in den Ölmonarchien keine Rede sein kann: Für einen Muslim käme eine Konversion zum Christentum einem "sozialen Selbstmord" gleich, urteilt etwa das katholische Hilfswerk Missio.

Für den Papst ist der Besuch bei seinem Gastgeber Mohammed bin Said Al Nahjan, dem Kronprinzen und eigentlichen Machthaber der Emirate, gleich mehrfach eine riskante Wanderung auf schmalem Grat. Da ist einmal die nicht unumstrittene Person des Kronprinzen selbst: Der Prinz gilt - ähnlich wie sein saudisches Gegenstück Mohammed bin Salman - als ehrgeiziger Drahtzieher in der Region. Er betreibt eine aggressive Außenpolitik, manche Beobachter wie der ägyptische Schriftsteller Ala al-Aswani bezeichnen ihn sogar als "Haupttreiber des Krieges im Jemen".

"Leuchtturm der Toleranz"

Den Besuch des Papstes können die Emirate so gesehen auch gut gebrauchen, um sich trotz der Kritik an ihrer Politik bei westlichen Partnern als freies, liberales Land zu präsentieren. Am Montag fand dann auch ein groß angelegtes Treffen von Vertretern der drei monotheistischen Weltreligionen statt, an dem hunderte Christen, Juden und Muslime teilnahmen. Bin Said Al Nahjan bezeichnete die Emirate als "Leuchtturm der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens". Die Gefahr, vereinnahmt zu werden, ist für Franziskus groß. Im Vorfeld des Besuches gab es auch genug Kritik an der Visite, etwa von Amnesty International. Franziskus selbst prangerte vor der Reise in die Emirate den Krieg im Jemen an.

Doch auch die Kirche könnte von dem Besuch profitieren: Es ist nicht denkunmöglich, dass die Visite etwa auch auf das benachbarte Saudi-Arabien ausstrahlt und dort die Lage der Christen verbessert. Manche hoffen auch, dass islamfreundliche Gesten, wie sie bei Franziskus schon öfter zu sehen waren, das konfliktbehaftete Verhältnis zwischen Islam und Christentum insgesamt zum Guten wenden. Auch hier freilich ist der Grat für Franziskus schmal: Denn allzu enthusiastische Signale des Dialogs, meinen traditionalistische Kritiker des Papstes, würden von der muslimischen Gegenseite nur als Gesten der Unterwerfung interpretiert. Der Umstand, dass etwa Franziskus’ Vorvorgänger Johannes Paul II. dereinst den Koran küsste, sorgte bei manchen Traditionalisten für Kopfschütteln, fand in der islamischen Welt aber ein großes Echo und stärkte tatsächlich die Dialogbereitschaft. Auch Franziskus hat solche Gesten gesetzt, etwa die Fußwaschung an einer Muslimin. Er vergaß vor seiner Reise allerdings auch nicht darauf, für die verfolgten Christen in Nahost gleiche Rechte einzufordern.