Mount Isa/Wien. (sig) Ganze 43 Tage am Stück war die Temperatur auf über 40 Grad gestiegen. Sechs Jahre Dürre hatten die Menschen und Tiere im Nordosten von Queensland, Australien, bereits hinter sich. Man betete für Regen, doch was dann kam, glich einer Sintflut. Es ist wohl die größte Katastrophe für Viehzüchter in der Geschichte des Landes.

Der Regen kam Anfang Februar. "Es war großartig, wir haben alle gejubelt", sagt der Rinderzüchter Marcus Curr zum britischen "Guardian". Doch dann hörte es nicht mehr auf. Zeugen berichten von einem "Binnentsunami" rund um die Stadt Mount Isa, von gebrochenen Staudämmen und Landstraßen, die zu reißenden Flüssen werden, von Vögeln, die im Schlick ertrinken und von Kängurus, die leblos in den Bäumen hängen, mitgerissen von den Fluten. Und die Rinder?

Die flache, endlose Landschaft im Nordosten des Kontinents ist ideal für die Viehzucht. Riesige Rinderherden bevölkern Queensland, 86 Prozent des Bundesstaats sind Weideland. Von den rund 1,5 Millionen Tieren soll rund ein Drittel in den Fluten verendet sein. "Wir haben sie durch die Dürre gebracht und ein Vermögen ausgegeben, damit sie am Leben bleiben", sagt Curr. Sobald das Wasser versickert ist, werden er und zahlreiche andere sogenannte "Graziers" sich daran machen, hunderttausende Kadaver zu beseitigen. Zudem müssen überlebende und verletzte Tiere versorgt oder erschossen werden. Von denen, die nicht ertrunken sind, verhungerten viele oder sie starben an der plötzlichen Kälte und Überanstrengung.

Viele Graziers stehen vor dem Ruin. Sie versuchen nun, die Öffentlichkeit auf das Ausmaß der Katastrophe aufmerksam zu machen und bitten die Regierung um Hilfe. Viele Bauern können ihre Kredite nicht mehr abbezahlen, die Versicherungen kommen nicht für ihre Verluste auf. Es wird Jahre dauern, bis sie wieder Profite einfahren. Einige Züchter haben 70 oder 80 Prozent ihres Rinderbestands verloren. Wie groß der Schaden wirklich ist, wird sich allerdings erst weisen. Die "Cattle Stations" in Queensland sind riesig, mehrere hunderttausend Hektar Land bewirtschaftet ein Betrieb hier in der Regel. Eine Bestandsaufnahme erfolgt meist per Helikopter. Doch die sind rar, ebenso wie Sprit und Futtermittel.

Die Graziers rufen ihre Landsleute nun dazu auf, sie zu unterstützen - etwa durch den Kauf von heimischem Beef.