Toronto. In Kanada geht der Korruptionsskandal in die nächste Runde, Premier Justin Trudeau gerät zusehens unter Druck. Nun ist auch sein engster Vertrauter Gerald Butts zurückgetreten. Die beiden kannten sich seit der Universität und sollen sehr gute Freunde gewesen sein. Bereits vor einer Woche hatte Veteranenministerin Jody Wilson-Rayboulds ihren Rücktritt bekanntgegeben.

Auslöser der Krise in der kanadischen Regierung war ein Artikel in der Zeitung "Globe and Mail". Demnach hat das Bauunternehmen SNC-Lavalin in Libyen (damals noch unter dem Regime Muammar Gaddafis) Beamte bestochen, um Aufträge zu erhalten. Trudeaus Büro soll im laufenden Verfahren Druck auf die damalige Staatsanwältin Wilson-Raybould ausgeübt haben, die Firma möglichst zu schonen. Eine Verurteilung könne dem Bauriesen schaden und zigtausende Arbeitsplätze in Gefahr bringen, so das Argument laut Medienberichten.

Wilson-Rayboulds habe das aber verweigert. Trudeaus Kabinett dementiert, überhaupt versucht zu haben, auf das Verfahren einzuwirken. Auch Butts wehrt sich gegen Anschuldigungen, er habe Wilson-Raybould unter Druck gesetzt, den Bauriesen billig davonkommen zu lassen. "Doch die Anschuldigungen sind da", erklärte er seinen Rücktritt. "Das darf nicht von der wichtigen Arbeit ablenken, die der Premier für alle Kanadier verrichtet." Viele sehen die Vorwürfe durch Butts Rücktritt erst recht bestätigt.

Der Abgang Butts dürfte Trudeau jedenfalls hart treffen. Im Oktober sind Parlamentswahlen - und das Sonnyboy-Image des kanadischen Premiers ist ramponiert. Umfragen sehen die Konservativen mittlerweile gleichauf mit Trudeaus Liberalen.