Die Proteste der Huni Kuin waren erfolglos. Man zog in die Stadt, nach Rio Branco. Aber es war bald klar, dass das keine Lösung sein kann. Denn viele Angehörige der Huni Kuin, die schon früher ihr Glück in der Stadt gesucht hatten, zeigten vor, was auf sie wartet: ein Leben voller Abhängigkeiten bei gleichzeitiger rassistischer Diskriminierung am Arbeitsmarkt. "Ein Leben als Bettler an der Ecke", erklärt Mapu, der derzeit mit seinem Vater in Europa auf Besuch ist und auch einen Vortrag in Wien halten wird. Die beiden versuchen in Brasilien als auch in Europa Geldquellen zu finden - mittels Vorträgen, mittels schamanischen Ritualen, mittels dem Verkauf von indigenem Handwerk oder auch über Spenden. Denn Mapu und seine Angehörigen haben sich entschieden: Wenn das System kapitalistisch ist, wenn indigene Rechte nicht mehr geachtet werden, gibt es nur einen Ausweg. Sie müssen selbst Landeigentümer werden. Verbrieftes Privateigentum, nur so könne man sich vor Bolsonaro schützen.

Ein Stück Wald als Grundlage für den Kulturerhalt

Mapu und sein Volk haben bereits, rund 37 Kilometer von Rio Branco entfernt, ein Stück Wald gefunden, wo sie sich niedergelassen haben. Dort haben sie bereits zwei Hektar Land um 45.000 Reais gekauft und bezahlt (umgerechnet rund 10.500 Euro) und haben nun das Vorkaufsrecht auf weitere fünf Hektar um 165.000 Reais (38.700 Euro), die aber noch nicht bezahlt worden sind. Die erste Tranche wird bei der Rückkehr Mapus nach Brasilien im April fällig.

Das Land soll nicht nur den aus dem Naturschutzgebiet vertriebenen Huni Kuin ein Zuhause bieten. Sondern auch allen anderen aus dieser Volksgruppe, die derzeit ohne Perspektive in Rio Branco, der Hauptstadt des Bundesstaats, leben. Im Jahr 2009 wurden in Rio Branco 3000 Huni Kuin gezählt. "Das Ziel ist, alle, die wollen, von dort herauszuholen. Und ihnen eine traditionelle Lebensform zu ermöglichen", erklärt Mapu. Das ist auch zum Teil eine tatsächliche Überlebensfrage: "Wir sehen, dass Angehörige unseres Volkes, vor allem Kinder, in der Stadt sterben, weil diese Lebensmittel dort für sie Gift sind", schildert Mapu die Situation.

Tatsächlich haben viele Naturvölker Probleme mit den ungewohnten Nahrungszusätzen der sogenannten Zivilisation. Natürlich sollen weiterhin alle jene, die in der Stadt studieren wollen, die Möglichkeit haben, das zu tun. Aber sie können, wenn sie wollen, zwischen Rio Branco und der eigenen Erde pendeln. Und dort weiterhin den traditionellen Lebensstil pflegen und das Wissen an die nächsten Generationen weitergeben: Wie man Pflanzen anbaut, fischt und auf die Jagd geht. Die eigene Sprache sprechen, die eigenen Rituale pflegen. Dazu gehört auch die Gesichtsbemalung aus Beeren-Farben, die vor Krankheiten schützt oder friedliche Absichten signalisieren soll. Das Volk der Huni Kuin trägt grundsätzlich jeden Tag Farbe im Gesicht, die eine Woche lang hält. Sie versuchen es aber zu vermeiden, wenn sie auf Reisen gehen, wo sie ihren Pass benötigen: Da gibt es nämlich immer wieder Schwierigkeiten bei der Kontrolle, dass das Foto nicht mit dem bemalten Gesicht hundertprozentig übereinstimme.

Das Modell des privaten Ankaufs von Erde durch indigene Völker ist an sich nicht neu. Das Volk der Asháninka hat, ebenfalls in Acre, aber drei Tagesreisen von Rio Branco entfernt, hat auch in großem Stil Land gekauft.