"Wir fuhren mit der Polizei zum Parkeingang - doch die Ranger ließen uns nicht hinein", berichtet Vater Kyomukama. Am Tag darauf seien dann Parkwächter nach Kyema gekommen und hätten erklärt: Wer illegal in den Park gehe, riskiere sein Leben. "Sie versicherten uns, am nächsten Tag den Tatort besichtigen zu dürfen", erinnert sich der Vater: "Wir hatten das Gefühl, sie haben die Leichen schon weggebracht und den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen." Als die Väter mit den Polizisten die Stelle im Park begutachteten, fanden sie nur noch Blutspuren.

Bei den Vorwürfen der illegalen Tötungen wird Parkchef Asalu nervös. Präsident Yoweri Museveni hatte im September 2018 selbst bei einem Besuch gewarnt, er sei von den zahlreichen Todes-Meldungen "genervt". Asalu erinnert sich, er hatte den Präsident empfangen. "Die Anschuldigungen sind alle nicht wahr", meint Asaqlu und stellt klar: "Das Gesetz erlaubt uns nicht, auf Menschen zu schießen."

Dies ist die eine Seite der Geschichte. Andererseits hat Museveni in seiner Rede betont: "Wenn jemand eine Waffe trägt, dann sollt ihr schießen - doch wenn sie nur Speere und Netze tragen, warum tötet ihr sie?"

18 Waisen und viele Fragen

Asalu verweist auf seine Statistik auf dem Computerbildschirm. Tote durch Ranger sind darin nicht gelistet. Er zählt aber auf: 2016 habe ein Soldat einen Wilderer erschossen. Oft würden sich die Wilderer im Streit um die Beute gegenseitig erschießen, erläutert er. Im Dezember 2018 sei ein Mann von einem Büffel zertrampelt worden, sechs illegale Fischer seien im See ertrunken. Und die vier toten Männer vom 26. Juni 2018? Asalu räuspert sich: "Die Ermittlungen laufen noch - die Leichen wurden nie gefunden, obwohl wir mit unseren Drohnen danach gesucht haben", sagt er und betont erneut: "Für diejenigen, die nicht legal durch unsere Parkpforten kommen - für diese Menschenleben bin ich nicht verantwortlich!"

Vater Kyomukama hilft dies wenig. Er hat nun 18 Waisenkinder seines getöteten Sohns und Neffen zu versorgen. Die Mutter war bei der Geburt der jüngsten Tochter Claire bereits vor drei Jahren verstorben. Zu befürchten, dass die Körper von Wildtieren zerfleischt wurden, macht den Abschied noch schlimmer, sagt er: "Wenn wir sie wenigstens beerdigen könnten."

Die Recherche wurde durch das Netzwerk-Recherche-Stipendium Umwelt/Ökologie in Kooperation mit Olin g GmbH gefördert.