Beira/Wien. (klh/apa/reu) Das Ausmaß der Zerstörungen, die der Zyklon "Idai" in Ostafrika angerichtet hat, sind noch immer nicht ganz klar. "Wir befürchten, dass an Orten, die wir noch nicht erreicht haben, ganze Dörfer weggespült worden sind", sagte nun UN-Generalsekretär Antonio Guterres, für den der Wirbelsturm eine "weitere Alarmglocke für die Gefahren des Klimawandels" war.

Doch allein die Zerstörungen, die bereits sichtbar geworden sind, sind immens: In der Hafenstadt Beira in Mosambik, wo der Wirbelsturm an Land traf, hat "Idai" ganze Stadtviertel dem Erdboden gleichgemacht. In der Region rund um die 500.000-Einwohner-Stadt ist die Ernte verloren gegangen - eine Tragödie für das bitterarme Land, in dem ohnehin schon viele Bewohner mangel- oder unterernährt sind. Auch in Simbabwe und Malawi haben der Zyklon und die ihn begleitenden Regenfälle ganze Landstriche zerstört. Insgesamt wurden in den drei Ländern bisher mehr als 700 Todesopfer registriert, wobei diese Zahl aber wohl noch steigen wird.

Zudem zeigt sich immer deutlicher eine Folgewirkung, mit der nun Regierungen und Hilfsorganisationen zu kämpfen haben: Immer mehr Menschen erkranken lebensgefährlich.

So haben die Behörden in Mosambik nun die ersten fünf Cholera-Fälle gemeldet - und sie rechen damit, dass es noch viel mehr werden. Auch Gert Verdonck, der Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Beira, berichtet, dass es in den von der Organisation unterstützten Gesundheitszentren "hunderte von Patienten mit akutem wässrigem Durchfall" angetroffen wurden. "Die extremen Schäden werden in den kommenden Tagen und Wochen wahrscheinlich zu einem dramatischen Anstieg von Krankheiten durch unsauberes Wasser, von Haut- und Atemwegsinfektionen sowie Malaria führen. Darüber hinaus funktioniert auch die reguläre örtliche Gesundheitsversorgung, etwa für HIV-Patienten oder Schwangere, derzeit nicht", warnt Verdonck.

Der Zusammenbruch der Infrastruktur beschleunigt dabei den Ausbruch von Krankheiten: Nachdem die Trinkwasserversorgung vielerorts nicht mehr existiert, sind die Menschen gezwungen, aus Flüssen, verunreinigten Brunnen oder aus Pfützen am Straßenrand zu trinken, was eben zu Durchfallerkrankungen oder Cholera-Infektionen führt. Zudem sind all die stehenden Gewässer ein ideales Brutgebiet für die Malaria-Mücken.

Hinzu kommt noch, dass die Abwehrkräfte vieler Menschen geschwächt sind, weil sie entweder ohnehin schon schlecht ernährt sind oder einfach in den Tagen nach dem Zyklon nicht genügend Lebensmittel zur Verfügung hatten.

Papst besucht Mosambik

Für die nationalen und internationalen Helfer hat damit ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen: So will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun 900.000 Cholera-Impfungen nach Mosambik bringen. Zudem würden 900.000 Moskito-Netzte besorgt.

Oder auch andere Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen - die Organisation behandelt in wieder hergerichteten Gesundheitszentren und mobilen Kliniken Erkrankte - weiten ihre Präsenz aus. "Mehr als 60 internationale und zahlreiche mosambikanische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind in der Küstenstadt Beira im Einsatz, täglich werden die Teams verstärkt", teilte Ärzte ohne Grenzen in einer Aussendung mit.

Die Aufräumarbeiten werden Monate dauern. Beistand bekommen die Bewohner Mosambiks vom Papst: Er wird das afrikanische Land im September besuchen. Franziskus hat auch bereits für die Opfer des Zyklons beten lassen.