Tödliches

Umweltengagement

Für das Wasserkraftwerk "Belo Monte" wurden zehntausende Menschen umgesiedelt, Ackerland und Regenwald geflutet. Den Parakanã versprach man dafür, dass Holzfäller und Goldsucher ihr Land verlassen müssen. Das Kraftwerk, eines der weltweit größten, wurde mit deutscher und österreichischer Technik der Unternehmen Andritz, Voith und Siemens gebaut und 2016 unter der damaligen linken Präsidentin Dilma Rousseff in Betrieb genommen. Das Versprechen an die Parakanã wurde nie umgesetzt.

"Terra protegida" steht auf den offiziellen Schildern, die indigenes Gebiet schützen sollen. Doch an vielen Stellen ist der Urwald kahlgeschlagen. "Hier waren die Holzfäller am Werk", sagt Kawore besorgt. "Die Situation verkompliziert sich mit der neuen Regierung noch. Nicht nur, dass die Invasoren bleiben dürfen. Bolsonaro ermutigt sie auch noch, zu kommen", klagt er. Die Leute dringen in die Gebiete ein, weil sie davon ausgehen, dass sie ungestraft davonkommen. Neben Holzfällern sind es vor allem illegale Goldsucher, die Spuren der Verwüstung hinterlassen.

Hinterlassene Mondlandschaften

Die Straße von der Polizeistation am Rande des indigenen Gebiets Richtung Süden führt durch eine Mondlandschaft. Auf der Suche nach Gold haben die "Garimpeiros" meterdick Erde ausgehoben, schmutziges, mit Quecksilber kontaminiertes Wasser staut sich in Lacken. Die Polizei fährt jeden Tag an den Minen vorbei. Man warte auf den Gerichtsbescheid, um die Goldsucher zu vertreiben, heißt es dort. "Sie machen nichts, die Regierung erfüllt ihre Pflicht nicht", sagt Kawore. Bolsonaro vertritt die Linie der Militärdiktatur (1964-1985), deren Ziel es war, Amazonien zu besiedeln und zu entwickeln. "Amazonien erschließen bedeutet noch mehr Abholzung", sagt Kräutler.

Bolsonaro verstärkt die Vorurteile gegenüber Indigenen, die in Brasilien seit der Kolonialzeit bestehen. Statt der "anpassungsunwilligen und faulen" Indigenen holten die portugiesischen Herren Sklaven aus Afrika. "Die wahren Indigenen wollen elektrische Energie und Integration in die Gesellschaft", sagt Bolsonaro. "Diese unilaterale Politik, indigenes Land mit Grenzen zu versehen, wird aufhören; das Reservat, das ich verkleinern kann, werde ich verkleinern." Zugleich brachte der Präsident die Öffnung von Reservaten für den Bergbau ins Gespräch, vor allem US-Konzerne will er mit Lizenzen anlocken.

Kawore Parakanã hat die Aussagen Bolsonaros verfolgt, er war schockiert. Portugiesisch hat er gelernt, um mit Behördenvertretern auf Augenhöhe zu sprechen. "Die Gesetze zu kennen, die den Verbleib auf dem Land unserer Vorfahren garantieren, erleichtert vieles sehr." Die Schule schloss er in Altamira ab. Die Stadt liegt mehrere Bootsstunden von Indigenengebiet "Apyterewa" entfernt. In seinem Heimatdorf steht nur ein "Orelhao", ein öffentliches Telefon in Form eines riesigen Ohres, und eine Satellitenschüssel. Die Indigenen wollen auch Computer, Internet, Fernsehen, was Bolsonaro für sich nutzt. Sie schaue gerne das "Jornal Nacional", die Hauptnachrichtensendung, und Telenovelas, erzählt Kwataria Parakanã. Sie grillt gerade einen Fisch.