Colombo  - In der Nähe eines der Anschlagsorte vom Ostersonntag in Sri Lanka ist ein Sprengsatz in einem geparkten Auto gefunden worden. Bombenentschärfer sprengten das Fahrzeug am Montag in der Nähe der St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, nachdem darin ein Sprengkörper entdeckt worden war, wie die Polizei mitteilte. An einem anderen Ort der Stadt seien an einer Bushaltestelle 87 Zünder sichergestellt worden.

Ein Mann wurde den Angaben zufolge in der Gegend um die Kirche festgenommen. Der Fund des Sprengsatzes und die Sprengung lösten in der Umgebung eine Panik aus, wie Videos in sozialen Medien zeigten. Zeugen berichteten auf Twitter zudem, dass die Polizei den Festgenommenen vor einer aufgebrachten Menge schützen musste.

Es seien insgesamt 87 Zünder sichergestellt, sagte ein Polizeisprecher. Sicherheitskräfte fahndeten im ganzen Land nach den Drahtziehern der Anschläge auf Kirchen und Hotels, bei denen am Ostersonntag 290 Menschen getötet und rund 500 verletzt wurden.

Das Präsidialamt erklärte, Präsident Maithripala Sirisena werde den Ausnahmezustand über das Land verhängen. Der Ausnahmezustand mit zusätzlichen Befugnissen für die Sicherheitskräfte gelte ab Mitternacht Ortszeit (20.30 Uhr MESZ), um der Polizei und dem Militär zu ermöglichen, "die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten". Für die Nacht zum Dienstag gilt zudem wieder eine Ausgangssperre.

Die St-Antonius-Kirche war eine von drei Kirchen, in denen sich am Ostersonntag fast zeitgleich Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatten. Die Regierung des südasiatischen Inselstaates machte eine einheimische Islamistengruppe dafür verantwortlich.

Bisher hat sich niemand zur schwersten Attentatsserie seit Ende des Bürgerkrieges im Jahr 2009 bekannt. Einige Sicherheitsexperten vermuteten ebenfalls militante Islamisten als Drahtzieher, weil sie die Handschrift von radikal-islamischen Organisationen wie Al Kaida und IS-Miliz trügen. Die zeitgleichen Anschläge auf Kirchen und Hotels, in denen sich ausländische Touristen aufhielten, seien in Sri Lanka bisher unbekannt, sagte der Anti-Terror-Experte Alto Labetubun, der Al Kaida und IS seit Jahren untersucht. "Sie sind vergleichbar mit ähnlichen Anschlägen im Nahen Osten und in Südostasien, sie tragen die DNA der Anschläge von Islamischem Staat und Al Kaida."

Pratyush Rao, ein Analyst bei der Beratungsfirma Risk Control sagte, Sprengstoff sei in Sri Lanka überall zu bekommen. Zwar deute das Ausmaß und die Planung der Attentate auf Verbindungen ins Ausland. Doch das sei kein Beweis, dass der IS involviert sei. Es sei aber plausibel, dass die Attentäter sich ein Beispiel an der IS-Miliz genommen hätten.

Anschläge auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka:

Die verheerenden Anschläge auf Kirchen und Luxushotels am Ostersonntag in Sri Lanka haben weltweit Entsetzen ausgelöst. Alle sechs Angriffe wurden von Selbstmordattentätern verübt. Die Regierung machte am Montag eine einheimische Islamistengruppe für die Bluttaten mit fast 300 Toten verantwortlich.

Was bisher bekannt ist:

Was ist geschehen?

Binnen kurzer Zeit erschütterten am Morgen des Ostersonntags mächtige Explosionen drei Fünf-Sterne-Hotels sowie drei christliche Kirchen in Colombo, dem nahe gelegenen Küstenort Negombo und der Ostküstenstadt Batticaloa.

Gegen 08.30 Uhr wurde das Hotel Cinnamon Grand getroffen, nach Angaben eines Mitarbeiters sprengte sich der Attentäter am Frühstücksbuffet im Hotelrestaurant in die Luft. Kurz darauf folgten Anschläge auf das Shangri-La und das Kingsbury, beide ebenfalls Luxushotels.

Weitere Ziele waren Colombos historische Kirche St. Antonius, die Kirche St. Sebastian im Fischer- und Badeort Negombo sowie die Zionskirche in Batticaola. Die Kirchen waren zu dem Zeitpunkt voll besetzt mit katholischen Gläubigen, die die Ostermesse feierten. Alle sechs Anschläge wurden von Selbstmordattentätern verübt.

Stunden später erschütterten Explosionen in Vororten von Colombo zwei Gebäude, die von Polizisten gerade durchsucht wurden. Bei einer der Detonationen wurden drei Polizisten getötet. Am Abend dann wurde in der Nähe des Flughafens eine Rohrbombe entdeckt und entschärft.

Wer sind die Opfer?

Bis Montag stieg die Zahl der Todesopfer auf 290, mehr als 500 Menschen wurden verletzt. Viele der Opfer sind Katholiken - es waren die bisher schwersten Anschläge in Sri Lanka auf die Minderheit, die sieben Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Mindestens 37 der Opfer sind Ausländer. Nach Angaben der Regierung in Colombo waren unter ihnen drei Briten, zwei Türken, ein Portugiese und zwei Urlauber mit britischen und US-Ausweisen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach von "mehreren" getöteten US-Bürgern. Den Anschlägen zum Opfer fielen zudem drei Dänen, ein Japaner, zwei Chinesen und mindestens fünf Inder, wie deren Regierungen bestätigten. Laut dem niederländischen Außenminister Stef Blok kam auch ein Niederländer ums Leben - einem Zeitungsbericht zufolge handelt es sich um eine 54-jährige Frau.

Wer steht hinter den Anschlägen?

Die Regierung von Sri Lanka machte am Montag eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich. Hinter den Anschlägen stehe die Gruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ), sagte ein Regierungssprecher. Nach seinen Angaben glauben die Behörden aber nicht, dass eine kleine Organisation wie die NTJ allein derartig verheerende, koordinierte Angriffe verüben kann. Deshalb werde geprüft, ob die Gruppe "internationale Unterstützung" hatte, welche anderen Verbindungen sie hatte und wie sie zu den Sprengsätzen für die Selbstmordattentate kam.

In einem Schreiben an führende Sicherheitsvertreter hatte Sri Lankas Polizeichef Pujuth Jayasundara bereits am 11. April vor Plänen der NTJ gewarnt, Anschläge auf Kirchen und die indische Botschaft zu verüben. Er berief sich dabei auf einen "ausländischen Geheimdienst".

Bisher ist über die Gruppierung nur wenig bekannt. Im vergangenen Jahr wurde sie verdächtigt, für die Beschädigung buddhistischer Statuen verantwortlich zu sein.

Wie reagieren Regierung und Behörden?

Zehn Jahre nach einem blutigen Bürgerkrieg mit tamilischen Rebellen ist die Sorge einer erneuten Eskalation zwischen den verschiedenen Volksgruppen und Religionen groß. Regierungschef Ranil Wickremesinghe rief die Menschen im Land deshalb auf, "unsere Einheit als Srilanker zu wahren". Er versprach, "diese Bedrohung ein für alle Mal auszulöschen".

Die Behörden verstärkten unterdessen die Sicherheitsmaßnahmen - vor allem am Flughafen wurde scharf kontrolliert. Um Falschmeldungen und Gerüchte zu verhindern, wurden Online-Netzwerke gesperrt.

Eine unmittelbar nach den Anschlägen verhängte Ausgangssperre wurde am Montag zunächst ausgesetzt, galt aber erneut für die Nacht auf Dienstag. Ab Mitternacht (20.30 Uhr MESZ) sollte zudem ein Ausnahmezustand mit zusätzlichen Befugnissen für die Sicherheitskräfte in Kraft treten. Gleichzeitig rief die Regierung zwei Feiertage aus, Schulen und die Börse blieben geschlossen, um den Straßenverkehr zu verringern.

Regierungen anderer Länder riefen Reisende zu besonderer Vorsicht auf. Vor allem die USA warnten, die Anschläge könnten weitergehen. Auf der Homepage des österreichischen Außenministeriums hieß es am Montag, es bestehe "ein hohes Sicherheitsrisiko von weiteren Anschlägen".(apa/afp/reuters/dpa)