Tokio. (klh/dpa/afp/reu/apa) Bei seinem Auslandsaufenthalt an der Universität Oxford soll er sogar seine Unterwäsche selbst gewaschen. Das war zuvor für ein Mitglied der königlichen Familie Japans vollkommen undenkbar. Auch sonst war für Kronprinz Naruhito manches anders als für seine Vorfahren: So wuchs er im Kreise seiner Familie auf und wurde nicht von Gouvernanten und Hauslehrern erzogen.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird Naruhito den Thron besteigen, nachdem sein Vater mit einer Zeremonie am Dienstag seinen Rückzug vollzogen hat. Mit seinem freiwilligen Abdanken aus Altersgründen hat Akihito einen ungewöhnlichen Schritt gesetzt. Der 85-Jährige hatte die konservative Regierung und Traditionalisten damit überrascht.

Auch das spricht dafür, dass in der ältesten Erbmonarchie der Welt mit ihren strikten Ritualen die Moderne nicht spurlos vorübergezogen ist. Japans Monarchie hat ohnehin schon viele Veränderungen durchgemacht, und das liegt auch daran, wie lange die königliche Familie dem Inselstaat schon vorsteht.

Das neue Kaiserpaar: Naruhito und Masako. - © apa/afp/Pool/T. Kitamura
Das neue Kaiserpaar: Naruhito und Masako. - © apa/afp/Pool/T. Kitamura

Der Stammbaum reicht 125 Generationen zurück, Naruhito wird nun als 126. Kaiser den Chrysanthemen-Thron besteigen. Zeitweise waren die Kaiser in ihrer langen Geschichte fast unumschränkte Herrscher, zeitweise waren sie nur Beiwerk der mächtigen Samurai.

Nach den Angriffskriegen Japans in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bei denen der damalige gottgleich verehrte Kaiser Hirohito als Befehlshaber der Armee fungierte, kassierte die US-amerikanische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg die politischen Befugnisse des Tennos ein. Per Nachkriegsverfassung wurden ihm sämtliche Regierungsbefugnisse genommen.

Der Kaiser blieb aber eine wichtige Symbolfigur und musste eine neue Rolle für sich finden. Genau das ist in der Folge Akihito gelungen.

Er war so nahbar wie kein anderer Kaiser vor ihm. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit setzte er sich mit seiner Gemahlin, Kaiserin Michiko, unermüdlich für die Opfer der Naturkatastrophen, etwa der Erdbeben oder des Tsunami 2011, ein und spendete ihnen Trost.

Nahbarer Nachfolger

Gleichzeitig war dieses öffentliche Auftreten im konservativen Japan auch Anlass für Kritik, sagt Hideya Kawanishi, assistierender Professor für Geschichte an der Universität Nagoya. "Zum Beispiel wurde Michiko vorgeworfen, die Autorität des Kaisers zu beschädigen", als sie sich hinkniete, um Menschen zu trösten, und sie an den Händen nahm.

Auch Nachfolger Naruhito und seine Gemahlin Masako werden ein nahbares Königspaar sein. So erklärte der 59-Jährige bereits, dass er immer an der Seite des Volkes sein" und mit ihm "Freude und Leid teilen" wolle. Erst weisen wird sich aber, wie sehr das neue Kaiserpaar dem Volk nahe kommen will, ob es dabei etwa auch auf Soziale Medien zurückgreifen wird. Auf alle Fälle werden Naruhito und Masako sehr behutsam Vorgehen und Schritt für Schritt austesten, wie viel Volksnähe mit der Tradition und den althergebrachten Riten vereinbar ist.

Zudem muss das Paar darauf achten, dass die Ansprüche des Amtes nicht zu viel für die Psyche von Masako werden. Denn die Harvard-Absolventin, die für ihre Ehe auf eine weitere Diplomatenkarriere verzichtete, leidet seit Jahren unter dem Druck am kaiserlichen Hof. In der Vergangenheit hat Naruhito in ungewöhnlich deutlicher Form die unfaire Behandlung seiner Frau angeprangert. Vor japanischen und ausländischen Journalisten sagte der Kronprinz 2004, der Palast ersticke die Persönlichkeit seiner Frau. "Mir erscheint Masako erschöpft durch ihre Bemühungen in den vergangenen zehn Jahren, sich dem Leben als Mitglied des Königshauses anzupassen", klagte Naruhito.

Später entschuldigte er sich für seine Äußerungen, forderte aber, dass die "royalen Pflichten" der modernen Zeit angepasst werden müssten. Das ist auch genau der Balanceakt, der nun ihm und seiner Frau bevorsteht.