Nach Angaben der russischen Behörden konnten sich 37 Menschen retten, darunter die Piloten. Die Menschen entkamen über Notrutschen und rannten über das Flughafengelände. Unter den Todesopfern waren auch ein zwölfjähriges Mädchen und ein Mitglied der Crew, wie Ministerin Skworzowa sagte.

Bergungskräfte bargen am Montag die letzte Leiche aus dem Wrack. Es war das schwerste Flugzeugunglück auf einem Flughafen der russischen Hauptstadt seit Jahren. Scheremetjewo ist der größte und am besten ausgestattete Airport des Landes.

Die Ermittler hoffen darauf, nach Auswertung der Flugschreiber Klarheit über den Grund der Notlandung zu bekommen. Das kann mehrere Tage dauern. Flugschreiber enthalten unter anderem Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche. Das ist für Ermittler sehr wichtig bei der Klärung der Unfallursache. Die sogenannten Blackboxes sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

Die seit 2017 eingesetzte Maschine soll erst im April technisch gewartet worden sein. Der Suchoi Superjet-100 (SSJ-100) ist der Stolz der russischen Luftfahrt, die erste Neuentwicklung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor gut 30 Jahren. Seit 2011 sind die Maschinen zugelassen. Immer wieder gab es Berichte über Pannen und Zwischenfälle. Bei einem Probeflug des Superjets starben 2012 in Indonesien 45 Menschen. Doch ein vergleichbares Unglück in der zivilen Luftfahrt in Russland hat es mit dem Flugzeugtyp bisher nicht gegeben.

Der Verkauf läuft schleppend - vor allem international hatte Russland auf einen Absatz der Mittelstreckenflugzeuge gehofft. Die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot hatte erst im vergangenen Herbst den Kauf von weiteren 100 Jets des Typs angekündigt. Nach einem Bericht der Zeitung "Wedomosti" sind gegenwärtig rund 139 Maschinen des Typs im Einsatz, davon 106 in Russland und 33 im Ausland. Das Verkehrsministerium sah zunächst keinen Grund, auf den Einsatz der Maschinen zu verzichten.

In Russland kommt es immer wieder zu schweren Zwischenfällen im Luftverkehr und zu Flugzeugunglücken mit vielen Toten. Das Land mit den elf Zeitzonen zählt in Sachen Flugsicherheit nach internationalen Statistiken zu den gefährlichsten Regionen weltweit.

Beim Absturz eines russischen Passagierflugzeugs vom Typ Antonow starben im Februar vorigen Jahres in der Nähe von Moskau 71 Menschen. Die Maschine vom Typ An-148 der Saratow Airlines war nach dem Start vom Hauptstadt-Flughafen Domodedowo vom Radar verschwunden. Sie zerschellte auf einem Feld im Bezirk Ramenskoje südöstlich von Moskau. Im September wurden 18 Menschen bei der Notlandung eines Flugzeugs in der Schwarzmeerstadt Sotschi verletzt.(apa/dpa)